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Kommentar

Warum im Tennis die Alten dominieren

Federer, Nadal und Djokovic sind alle über 30, die Jungen tun sich schwer, in diese geschlossene Gesellschaft einzubrechen. Die Gründe haben mehr mit Professionalität und weniger mit Talent zu tun. Und vielleicht sind auch einige talentierte junge Spieler einfach zu wenig fleissig.
Simon Häring, Wimbledon
Sportredaktor Simon Häring.

Sportredaktor Simon Häring.

Anders als bei den Frauen, wo mit Coco Gauff eine 15-Jährige für Schlagzeilen sorgte, geben im Männer-Tennis auch in Wimbledon weiter die alten Herren den Ton an. Zum ersten Mal seit 1968 standen mehr Spieler in den Achtelfinals, die bereits über 30 Jahre alt sind, als solche, die jünger sind. Nur zwei davon – Matteo Berrettini und der Franzose Ugo Humbert – waren unter 27. Sie schieden gegen Roger Federer (im August 38) und Novak Djokovic (32) sang- und klanglos aus. Unter den noch aktiven Spielern gibt es keinen Grand-Slam-Sieger, der nicht schon 30-jährig wäre. 70 Spieler der Top 100 sind älter als 25.

Félix Auger-Aliassime. (Bild: KEY

Félix Auger-Aliassime. (Bild: KEY

Und mit dem 18-jährigen Félix Auger-Aliassime hat sich erst ein Spieler in diesen Zirkel gespielt, der im neuen Jahrtausend geboren wurde. Es sind Zahlen, die Geschichten erzählen.

Die Alten um Federer, Nadal und Djokovic
sorgen für eine geschlossene Gesellschaft

Eine davon ist, dass das Männer-Tennis mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic die dominanteste Ära erlebt. Die Drei haben total 53 Grand-Slam-Titel geholt. In den letzten 15 Jahren gab es nur vier Spieler, die in die Phalanx einbrechen konnten – Stan Wawrinka, Andy Murray, Marin Cilic und Juan Martin Del Potro. Zwar hatten Federer, Djokovic und vor allem Nadal mit Verletzungen zu kämpfen. Doch ihre Professionalität erlaubt ihnen längere Karrieren, als es früheren Generationen vergönnt war. Björn Borg zum Beispiel, der erste globale Tennisstar, trat bereits mit 25 zurück.

Federer, Nadal und Djokovic scharen eine Armada an Spezialisten um sich: Trainer, Physiotherapeut, Fitnesstrainer. Sie überlassen nichts dem Zufall. Man muss sich das freilich auch leisten können. Zudem garantiert die Position in der Weltrangliste Planungssicherheit, die andere nicht haben.

Die Folge ist eine geschlossene Gesellschaft an der Spitze, die nur schwer zu durchbrechen ist.

Die Folge ist eine geschlossene Gesellschaft an der Spitze, die nur schwer zu durchbrechen ist. Die goldene Generation ist eine Erklärung, aber es wäre zu kurz gegriffen, die Jungen von Kritik auszunehmen. Boris Becker bemängelt die Mentalität: «Bei allem Respekt vor Roger, Rafa und Novak – sie sollten gezwungen werden, die Fackel weiterzureichen. Die Jungen haben einfach nicht ihre Mentalität.»

Es gehe nicht um Vorhände oder Fitness. «Sondern um die Einstellung, die den Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren macht.» John McEnroe stimmt Becker zu. Er sagt: «Diese drei haben eine ganze Generation begraben.» Er spricht von der verlorenen Generation – von Grigor Dimitrov, Kei Nishikori und Milos Raonic. Jahrelang blieb ihnen der grosse Durchbruch verwehrt.

Und man wird das Gefühl nicht los, dass sie sich irgendwann damit begnügten, als Trittbrettfahrer ein schönes Leben als Tennis-Nomaden zu führen und dabei gut zu verdienen.

Bernard Tomic machte nie ein Geheimnis daraus. Einmal sagte er: «Wer würde es nicht lieben, nur 50 Prozent leisten zu müssen und trotzdem Millionen von Dollar damit zu verdienen?» Der Australier war einmal die Nummer 17 der Welt, galt als «The Next Big Thing». Für mehr fehlte dem inzwischen 26-Jährigen der Biss. Tomic führt auch so ein Leben in Saus und Braus. Eines mit dem goldenen Löffel im Mund. Wie so viele einer Generation der Genügsamen.

Die harte Selbstkritik von Tsitsipas
und Auger-Aliassime als Hoffnungsschimmer

Bernard Tomic ist ein Extrembeispiel. Es gibt durchaus Anlass zur Hoffnung auf einen Generationenwechsel. Stefanos Tsitsipas zum Beispiel wird im August erst 21, hat aber Federer, Djokovic und Nadal alle schon bezwungen. Der Grieche ist aber vor allem eines – ein Musterbeispiel für Selbstkritik.

Stefano Tsitsipas. (Bild: KEY)

Stefano Tsitsipas. (Bild: KEY)

«Ich hätte den Sieg nicht verdient gehabt. Die Menschen erwarten viel von mir, und ich zeige nichts», sagte er in Wimbledon nach seinem Ausscheiden in der ersten Runde. Félix Auger-Aliassime sagte gar: «Es war peinlich, was ich abgeliefert habe.» Im Juni sagte Tsitsipas, es langweile ihn, dass immer die Gleichen gewinnen. «Wenn wir positiv denken, können wir Jungen viel erreichen.»

Doch mit positiven Gedanken alleine wird sich an der Hierarchie nichts ändern. Auch Tsitsipas weiss das. «Wir sind dafür verantwortlich, das zu ändern und hart an uns zu arbeiten.» Zumindest diese Erkenntnis macht Hoffnung. Irgendwann wird seine Generation übernehmen. Aber vielleicht erst dann, wenn Federer, Nadal und Djokovic aufgehört haben. Bis dahin droht ein Leben mit dem goldenen Löffel im Mund.

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