Café fédéral
Von Privilegien und Bertrand Piccard im Bundeshaus

Dieser Tage bietet sich die Gelegenheit, den Bundespolitikern beim Debattieren zuzuhören. Endlich einmal mitverfolgen, was die in Bern oben eigentlich so entscheiden. Dabei zu sein ist nicht schwierig.

Anna Wanner
Anna Wanner
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Die U17-Fussball-Weltmeister beobachten das Geschehen im Nationalratssaal von der Zuschauertribüne aus (8. Dezember 2009).

Die U17-Fussball-Weltmeister beobachten das Geschehen im Nationalratssaal von der Zuschauertribüne aus (8. Dezember 2009).

Keystone

Wer morgens am südlichen Eingang auf der Bundesterrasse eine ID hinterlegt, wird durch Metalldetektoren geschleust und erhält einen Besucher-Badge, der einem den Zutritt auf die Zuschauertribüne des National- und Ständeratssaals ermöglicht. Dort darf der Besucher so lange verweilen, wie er will. Er sei aber vorgewarnt, die Debatten können zuweilen ernüchternd sein.

Das musste letzte Woche auch ein Journalist erfahren, der es sich zur Aufgabe machte, einen Tag lang der Nationalratsdebatte zu folgen. Erfahrungsgemäss ist
es im Saal so laut, dass sich der Zuhörer verstärkt konzentrieren muss, um die Voten überhaupt zu hören. Wenn dann der vierte Redner das bereits Gesagte nochmals wiederholt, lässt spätestens die Konzentration nach – und die Kopfschmerzen beginnen zu hämmern.

Was hat das nun mit Bertrand Piccard zu tun? Nun, es geht um Zutritte fürs Bundeshaus. Der erwähnte Journalist machte aus purer Langeweile ein Foto aus dem Parlamentssaal und verlor daraufhin seine Zulassung. Wer in welche Räume eintreten darf, ist essenziell. Eine Frage der Privilegien. Dass dies nicht für alle gilt, musste Bertrand Piccard hautnah erleben. Er kam als Gast, womöglich sucht er Sponsoren für die Fortführung seines Solar-Flug-Projekts. Doch der Abenteurer wurde zuerst gar nicht eingelassen. Als er durch die Vordertüre spazierte, hielt ihn der Polizist auf, liess sich nicht blöd anmachen und fragte cool: «Und wer sind Sie?»