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Kommentar

Verlogene Debatte um Mesut Özil

In Deutschland steht der Fussballer mit türkischen Wurzeln nach seinem medienwirksamen Rücktritt am Pranger. Ein massvollerer Umgang mit der
Thematik wäre angebracht.
Dominik Weingartner
Dominik Weingartner

Dominik Weingartner

Man stelle sich vor, Deutschland hätte die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland gewonnen. Das Land würde nicht so aufgeheizt über das Foto der beiden Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan debattieren. Das Ausscheiden in der Vorrunde hat erst ermöglicht, dass sich die Empörungsspirale weiterdrehte und im medienwirksamen Rundumschlag und Rücktritt von Özil vollends eskalierte.

Man kann Mesut Özil dafür kritisieren, dass er sich mit Erdogan in London ablichten liess. Es war klar, dass der türkische Präsident das Foto für seinen Wahlkampf verwenden würde. Geschickt war das Vorgehen der beiden Fussballer sicher nicht. Zumal es auch Spieler gegeben hat, die den Termin in London mit Erdogan nicht wahrgenommen haben.

Dennoch übertreibt es unser nördlicher Nachbar mit seiner sehr ausgeprägten Empörungskultur. Allenthalben wurde gefordert, dass Özil sich erklären, ja dass er Erdogan abschwören müsse. Hat das auch jemand vom deutschen Ehrenspielführer Lothar Matthäus gefordert, der dem russischen Autokraten Putin während der WM devot den Hof machte? Nein. Dass der Fussball, gerade auch der von einem Schweizer geführte Weltfussballverband Fifa, eine unschöne Nähe zu autoritären Staatenlenkern pflegt, ist bekannt. Das Problem jetzt an Özil aufzuhängen, ist verlogen.

Ebenso ist es Unsinn, am Fall Özil eine Integrationsdebatte loszutreten. Der deutsche Aussenminister Heiko Maas sagte gestern treffend, er glaube nicht, «dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland». Punkt.

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