Kommentar

Verdienter Spitzenplatz

Luzern ist erneut die beliebteste und schönste Stadt der Schweiz. Die Befragung hat aber nicht nur die Schoggiseiten der grössten Zentralschweizer Kommune zu Tage gebracht.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

«Luzern ist ein Ort, den alle irgendwie mögen.» Nicht Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne oder Lugano, nein, Luzern ist gemäss einer neuen Umfrage die beliebteste, schönste Stadt der Schweiz – einmal mehr. 3750 Personen haben an der schweizweiten Umfrage der Universität St.Gallen teilgenommen, die Resultate sind repräsentativ. Luzern punktet mit attraktiven Gastronomie-, Einkaufs- und Kulturangeboten, mit dem tollen Stadtbild und den Ausflugszielen. Auch wenn das die Luzerner ja schon immer gewusst haben: Was für ein tolles, verdientes Kompliment!

Das tönt nun reichlich lokalpatriotisch. Aber was soll’s. Ein bisschen stolz auf die eigene Lebenswelt, auf die Region, in der man arbeitet, wirkt und sich wohlfühlt, das darf man ja – gerade auch in diesen Jahreswechseltagen – ohne falsche Bescheidenheit auch sein.

Damit aber die Euphoriewelle nicht überschwappt: Die Befragung hat nicht nur die Schoggiseiten der grössten Zentralschweizer Kommune zu Tage gebracht. Abstriche gibt es bei der privaten Mobilität, der Steuerbelastung, bei Kauf- und Mietpreisen. Zudem kann man die Erkenntnis der Studienverfasser, wonach die Stadt niemanden verärgere oder provoziere, auch negativ deuten: Bloss nirgends anecken! Ist Luzern etwa auch bieder, ohne Ehrgeiz? Zumindest in der politischen Führung fällt immer wieder auf, dass man lieber reaktiv und zögerlich, statt aktiv und entscheidungsfreudig operiert. Es gibt also noch Steigerungspotenzial.