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Kommentar

USA fädeln Frieden ein

Washingtons Interessen in Syrien könnten zu einem potenziellen Tauwetter zwischen der Türkei und syrischen Kurdensorgen.
Thomas Seibert, Istanbul
Istanbul-Korrespondent Thomas Seibert

Istanbul-Korrespondent Thomas Seibert

Offiziell sind sie Todfeinde: Die türkische Regierung betrachtet die syrische Kurdenmiliz YPG als Terrororganisation, die militärisch bekämpft werden muss. Doch hinter den Kulissen könnte sich eine Annäherung anbahnen. Unter Vermittlung der USA, die mit der YPG verbündet sind, hat es jetzt indirekte Gespräche zwischen der Türkei und den syrischen Kurden gegeben. Auch der inhaftierte Chef der kurdischen Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, spielt dabei eine Rolle.

Für die türkische Führung zählen bei ihrem bisher harten Kurs gegen die YPG aussen- wie innenpolitische Überlegungen. Die Kurdenmiliz ist der syrische Ableger der PKK und stellt deshalb mit ihrer Präsenz an der türkischen Südgrenze aus Sicht Ankaras eine Bedrohung der Sicherheit des Landes dar. Kurz vor der Neuwahl in der Metropole Istanbul am 23. Juni will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zudem nationalistische Wähler bei der Stange halten. Ein Vorstoss gegen die YPG in Syrien wäre eine der Möglichkeiten, um dieses Ziel zu erreichen, sagte Aykan Erdemir, Türkei-Experte bei der US-Denkfabrik FDD, unserer Zeitung. 2018 hatte Erdogan seine Truppen ins syrische Afrin geschickt und darauf die Wahlen gewonnen.

Als früherer US-Botschafter in Ankara kennt der amerikanische Syrien-Beauftragte James Jeffrey die türkische Interessenlage genau und setzt alles daran, einen türkischen Einmarsch abzuwenden. Jeffrey organisierte als Vermittler indirekte Kontakte zwischen Ankara und der YPG. Noch ist offen, ob mit den Verhandlungen eine militärische Konfrontation verhindert werden kann. Allein die Tatsache, dass sich die Türkei auf die Gespräche eingelassen hat, zeigt aber, dass Ankara nicht unbedingt auf die Intervention bestehen wird. Deshalb kommt nun auch wieder Abdullah Öcalan ins Spiel. Der PKK-Chef, der seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali sitzt, darf nach einer achtjährigen Isolationshaft auf Beschluss der türkischen Regierung ab jetzt wieder regelmässig mit seinen Anwälten reden.

Damit will Ankara vor allem erreichen, dass Öcalan mässigend auf die YPG einwirkt, die ihn als ihren Anführer betrachtet. In seinem ersten Gespräch mit seinen Anwälten seit 2011 betonte der PKK-Chef kürzlich, die syrischen Kurden sollten die Sicherheitsinteressen der Türkei respektieren und sich vor einer «Kultur des Konfliktes» hüten.

Völlig neu wäre eine Annäherung zwischen der Türkei und der YPG nicht. In den ersten Jahren des Syrien-Krieges unterhielt Ankara gute Beziehungen zu den syrischen Kurden. Damals ging es Erdogan vor allem um eine rasche Entmachtung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Erst die Machtausweitung der syrischen Kurden unter dem Schutz der USA seit 2015 machte die YPG zum türkischen Erzfeind.

Washington will sich den Milizen-Verband Syrische Demokratische Streitkräfte (SDF), in dem die YPG die Hauptrolle spielt, auch in Zukunft als lokalen Partner erhalten. Die USA streben auf Dauer eine Zahl von 40000 gut ausgebildeten und bewaffneten SDF-Kämpfern an. Sie sollen verhindern, dass Russland und der Iran ihren Einfluss auf den Osten Syriens ausweiten. Die Türkei soll sich also nach dem Willen der USA mit den syrischen Kurden arrangieren. Wenn Erdogan darauf eingeht, dürfte der türkische Einmarsch nach Syrien erst einmal vom Tisch sein.

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