Kommentar

Unia: Die Guten und die Macht

Die Häufung von internen Missständen bei der Gewerkschaft Unia zeigen: Auch die Guten sind nur Menschen.

Patrik Müller
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Die Unia, die grösste Gewerkschaft der Schweiz, wirbt auf ihrer Website, sie stehe Mitgliedern «auf der ganzen Linie zur Seite». Etwa dann, wenn es um «Diskriminierung, Sexismus und Mobbing» gehe. Die Gewerkschaften – das sind die Guten. Die gewinnorientierten Unternehmen, die diskriminierte Mitarbeitende im Stich lassen – das sind die Bösen. So lautet, vereinfacht ausgedrückt, das Rollenverständnis der Unia.

Doch die Häufung interner Missstände zeigt: Auch die Guten sind nur Menschen. Wenn um Posten gefeilscht und Machtkämpfe zwischen der Zentrale und Regionalsektionen ausgetragen werden, dann funktioniert eine Gewerkschaft nicht anders als die Privatwirtschaft. Vielleicht sind gewerkschaftliche Organisationen, die weniger professionell geführt sind als Unternehmen, sogar anfälliger für Intrigen. Denn bekanntlich heiligt der Zweck die Mittel. Und wenn der Zweck ein guter ist, dann gilt dies umso mehr.

Dass sich Unia-Mitglieder nun gegen Missstände wehren, ist richtig. Eine Gewerkschaft muss sich an den Ansprüchen messen lassen, die sie von anderen einfordert. Richtig ist auch, dass die Medien darüber berichten. Denn die Gewerkschaften üben einen enormen politischen Einfluss aus: Beim Machtpoker um das Rahmenabkommen haben die Gewerkschaften so geschickt taktiert, dass das Schicksal dieses Abkommens entscheidend von ihnen abhängt.

So clever sich hier die Gewerkschaftsspitze verhält, so dilettantisch agiert sie vielfach bei der internen Konfliktbewältigung. Mobbing und Missstände gibt es überall. Entscheidend ist, wie solche Affären bewältigt werden und welche Lehren daraus gezogen werden. Hier hat die Unia bislang nicht überzeugt.