Polemik
Und wann zählen wir die Atemzüge?

Zuerst zählen wir Kalorien, dann Schritte und nun noch CO2?! Wo soll das alles enden? Eine Polemik über das schon fast fanatische Gesundheitsbewusstsein der Menschen.

Dagmar Heuberger
Dagmar Heuberger
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Um wie viel verringert sich die CO2-Belastung, wenn die Menschen weniger oft atmen? (Symbolbild)

Um wie viel verringert sich die CO2-Belastung, wenn die Menschen weniger oft atmen? (Symbolbild)

Keystone

Seit gefühlt 45 Jahren zähle ich Kalorien. Mehr oder weniger intensiv. Und mehr oder weniger – eher weniger – erfolgreich. Ich weiss, wie viele Kalorien 100 Gramm Schokolade haben (600) und wie viele 100 Gramm Gurke (10).

Später ging es nicht mehr nur darum, Kalorien zu zählen, sondern auch Schritte. 10'000 Schritte pro Tag sind gesund – und verbrauchen Kalorien. Dann kam der ökologische Fussabdruck. Wieder zählen und rechnen: Weniger heizen, damit der CO2-Ausstoss reduziert und das Klima geschont wird. Dafür mehr Klamotten anziehen, um nicht zu frieren. Braucht die Herstellung von Kleidern kein CO2?

Und nun soll man auch noch das CO2 im Essen zählen. Ein Fleischmenü verursacht so viel CO2 wie eine 20 Kilometer lange Autofahrt, schrieb die «Nordwestschweiz». Ja wie jetzt? Soll ich Fleisch essen und zu Fuss gehen (10'000 Schritte!) oder Auto fahren und Vollkornnudeln essen (Kalorien!)?

Wann beginnen wir, unsere Atemzüge zu zählen? Der Mensch macht pro Minute 12 bis 18 Atemzüge. Pro Atemzug pumpt er einen halben Liter Luft in die Lungen. Das sind pro Tag rund 10'000 Liter Luft. Um wie viel verringert sich die CO2-Belastung, wenn ich weniger oft atme?

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