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Kommentar

Interpol-Präsident Hongwei und Journalist Khashoggi: Unbequeme Verschwundene

Der Präsident von Interpol wird seit einer Reise nach China vermisst. Es ist zu befürchten, dass das betroffene Regime zeigen will, wie wenig es Konsequenzen fürchtet.
Sasa Rasic, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»
Sasa Rasic

Sasa Rasic

Vermisstmeldungen von Personen ist man in den Medien gewohnt. Doch als Schlagzeilen in den politischen Ressorts lassen sie besonders aufhorchen – insbesondere bei einer derartigen Häufung. Seit letzter Woche wird Interpol-Präsident Meng Hongwei von seiner Familie vermisst. Er ist von einem China-Besuch einfach nicht mehr zurückgekehrt. Seit Dienstag wissen die Angehörigen des saudi-arabischen Exil-Journalisten Jamal Khashoggi nicht, wo er sich befindet – er ist zwecks eines Behördengangs ins Konsulat seines Heimatlandes im türkischen Istanbul reingegangen, aber nicht mehr rausgekommen.

Die türkischen Behörden ermitteln laut eigenen Angaben in dem Fall. Interpol hat von den chinesischen Behörden Klärung bezüglich «Status des Interpol-Präsidenten» verlangt. Unbequeme Personen mit fadenscheinigen Begründungen in Haft zu nehmen, gehört zum Standardrepertoire undemokratischer Staaten. Doch nicht einmal mehr Informationen zum Aufenthaltsort der Betroffenen zu erhalten, ist ein neues Kaliber. Die genauen Vorgänge um die Verschwundenen bleiben weiterhin unklar. Es ist jedoch zu befürchten, dass die betroffenen Regime zeigen wollen, wie wenig sie Konsequenzen fürchten. Der Zeitpunkt ist wohl nicht zufällig gewählt, zumal der politische Zeitgeist sich in zahlreichen Staaten ja stark in Richtung Rückbesinnung aufs Innere zubewegt. Offen ist, in welchem Ausmass dies gewisse Unrechtsstaaten in ihren Handlungen ermutigen wird, noch weiter zu gehen. Und ob aus einzelnen Verschwundenen sogar Gruppen werden können.

Klar, die Forderungen nach «weltpolizei­lichen» Massnahmen der Staaten, die sich die Einhaltung der Menschenrechte auf die Fahne geschrieben haben, sind genauso alt, wie deren Umsetzung unwahrscheinlich ist. Schulterzucken, Resignation und die trotzige Fokussierung auf die eigenen Gefilde sind natürliche Reaktion auf die vielen schlechten Nachrichten. Doch auch dies muss mit folgendem, schmerzhaftem Bewusstsein geschehen: Langfristig gibt es bei einem derartigen weiteren Verlauf nur einen offensichtlichen Verlierer. Und dies sind nicht die autoritären Regime, sondern der Westen und unsere Werte. Stück für Stück, Verschwundener um Verschwundener.

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