Griechen-Drama
Tsipras muss trotz Sieg liefern

Der Ton macht die Musik: Wenn Alexis Tsipras heute bei den EU-Staats- und Regierungschefs durchdringen will, muss er einen moderateren Ton anschlagen, als in letzter Zeit. Die Chancen dafür stehen aber nicht schlecht. Ein Kommentar.

Fabian Fellmann, Brüssel
Fabian Fellmann, Brüssel
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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Keystone

Heute geht es für Alexis Tsipras um die Wurst. Der Grieche trifft erstmals nach seinem Sieg an den Urnen die 18 anderen Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder. Dort wird er weitere Kredite beantragen und erklären, wie er sein Land reformieren will. Wie Tsipras seine Anfrage und sein Angebot formuliert, dürfte entscheidend sein für die Antwort der Europäer.

Vor dem Referendum hatte Tsipras die Bedingungen der Geldgeber eine «Entwürdigung» geschimpft und ultimativ einen Schuldenerlass gefordert. Nach dem Urnengang äusserte er sich moderater.

Behält er diesen Kurs bei, können ihm die anderen Euro-Länder einen Dialog nicht verweigern. Das wäre der erste Schritt hin zu einem Ausweg aus der verfahrenen Situation, in der Griechenland steckt. Dann könnte Tsipras sogar eine Erleichterung der Schuldenlast erreichen, etwa in Form längerer Laufzeiten und tieferer Zinsen.

Tsipras dürfte hingegen in der Sackgasse stecken bleiben, wenn er den harten Kerl markiert, der ein starkes Mehr von Volk und Parteien hinter sich weiss. Auch die Vertreter der anderen Euro-Länder haben Wähler und Parlamente im Rücken.

Frankreich und Italien haben zwar Sympathien für die griechischen Forderungen. Doch die meisten EU-Staaten wollen kein weiteres Geld nach Griechenland schicken – nicht nur Deutschland, sondern vor allem die Euroländer in Ost- und Nordeuropa. Tsipras muss jetzt überzeugende Reformen mit Wachstumsaussichten für die griechische Wirtschaft vorlegen. Sonst dürften die meisten Euro-Länder ein Ende mit Schrecken einem weiteren Schrecken ohne Ende vorziehen.

fabian.fellmann@azmedien.ch

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