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Kommentar

Trump-Obsession der Börse: Die UBS wettet gegen Donald Trump

Der US-Präsident beeinflusst mit seinem sprunghaften Verhalten und Twittern die Börsen. Die Vermögensverwalter der UBS empfehlen, man solle den Aktienbestand im Portfolio herunterfahren. Das ist rational und irrational zugleich. Der Wert eines Unternehmens hängt nicht von den Launen des Präsidenten ab. Andererseits reagiert die Wirtschaft und veränderte Aussichten wirken sich auf die Erfolgrechungen der Firmen aus.
Patrik Müller

Trump kündigt neue Zölle auf chinesischen Produkten an. Die Börse fällt. Trump sagt, er sei zuversichtlich, dass er sich mit China einigen werde. Die Börse steigt. Trump twittert, US-Firmen sollten sich aus China zurückziehen. Die Börse fällt. Trump sagt, Peking habe ihn angerufen, um einen Deal zu machen. Die Börse steigt.

So geht das seit Tagen. Wer die Börsenberichte verfolgt, könnte zum Schluss kommen: Es sind nicht mehr Gewinnerwartungen von Unternehmen oder konjunkturelle Daten, welche die Aktienkurse nach oben oder unten treiben. Es sind der Twitter-Feed und kurze TV-Statements des US-Präsidenten zum Handelsstreit. Würde Trump Insiderhandel betreiben: Er wäre im Nu ein noch viel reicherer Mann.
In seinem dritten Amtsjahr hat er es geschafft, dass nach seinen politischen Gegnern und den Medien nun auch die Börse der Trump-Obsession verfallen ist. Einem Menschen mit so grossem Ego muss das gefallen.

Die Trump-Obsession der Börsen ist irrational und rational zugleich

Dass inzwischen ganze Aktienindizes, auch jene in der Schweiz, von Trump getrieben werden, ist irrational und rational zugleich. Irrational, weil der Wert eines Unternehmens natürlich nicht auf den momentanen Gefühlslagen des US-Präsidenten beruht, sondern auf dessen Produkten, der Wettbewerbsstellung, Profitabilität, Innovationskraft und den Managementfähigkeiten. Rational, weil der mächtigste Mann der Welt in einer vernetzten Wirtschaft tatsächlich einen Einfluss darauf hat, wie gut sich eine (exportorientierte) Firma entwickelt: Wenn die beiden grössten Volkswirtschaften, Amerika und China, im Dauerkonflikt stehen, kann sich das sehr unmittelbar in der Erfolgsrechnung eines Schweizer KMU niederschlagen. Zölle verändern Preise und somit die Nachfrage, und politische Unsicherheiten führen fast immer zu Rückgängen bei Investitionen.

Die Vermögensverwalter der UBS haben jetzt ihre eigenen Schlüsse gezogen. Sie empfehlen den Kunden, sie sollen Aktien «untergewichten», also die Anteile in ihren Portfolios tendenziell abbauen. Eine solche Empfehlung hat die Bank letztmals 2012 abgegeben, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise.

Die UBS-Empfehlung folgte auf die jüngste Ankündigung von Donald Trump, neue Zölle zu erheben.

«Es scheint immer unwahrscheinlicher, dass es noch dieses Jahr zu einer Deeskalation im Handelskrieg kommt», zitierte die «Financial Times» den zuständigen Investmentchef der UBS. Er glaubt Trumps Dealmaker-Qualitäten offenbar nicht mehr.

Deutlich wird der frühere UBS-Chef Oswald Grübel. Er korrigiert seine Trump-Einschätzung nach unten. In der «Schweiz am Wochenende» sagte er noch vor einem Jahr: «Trump ist unausstehlich, aber er macht in der Wirtschaftspolitik alles richtig.» Damals punktete der US-Präsident in weiten Teilen der Wirtschaft – dank Deregulierungen, Steuersenkungen und weil er unfaire Handelspraktiken Chinas anprangerte.

Oswald Grübel lobte Trump einst, nun kritisiert er ihn

Heute sieht Grübel den US-Präsidenten kritischer. Nicht nur wegen der Eskalation mit China und des Schuldenberges, den Trump fröhlich wachsen lässt, sondern auch, weil er sich in die Geldpolitik einmischt – ein Tabu für jeden Wirtschaftsliberalen. Grübel bezeichnet die Polemik gegen den US-Notenbankchef Powell in der «HandelsZeitung» als «unsinnig».

Wenn der Präsident so weitermache, werde er kaum wiedergewählt, prognostiziert Grübel, der als Banker in New York einst mit Trump verhandelte.

Ob der Trump-Fixierung der Börsen darf nicht vergessen werden, dass es nebst der erratischen Handelspolitik des Präsidenten noch andere Probleme gibt: insbesondere die nicht enden wollende Geldschwemme der Zentralbanken mit ihrer Tiefzinspolitik. Zudem gibt es politische Unwägbarkeiten im Nahen Osten, Lateinamerika und selbst in Europa – der Brexit und Italien lassen grüssen. Der US-Präsident ist nicht an allem schuld. Aber die Launen des «Auserwählten» (Trump über Trump) können auch Schweizer Investoren nicht ignorieren.

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