Kommentar

Thomas Scheitlin – ein Stadtpräsident mit Bodenhaftung

Nach 14 Jahren ist Schluss: Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin tritt auf Ende Jahr zurück. Wer sagt, in der Amtszeit Scheitlins sei nichts Grosses passiert in der Gallusstadt, liegt falsch.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion

Bild: Ralph Ribi

Thomas Scheitlin ist seit seinem Amtsantritt Anfang 2007 ein sichtbarer und spürbarer Stadtpräsident. Die Bevölkerung nimmt ihn wahr. Scheitlin ist ein selbstloser Politiker mit Bodenhaftung und ausgeprägtem Realitätssinn. Darauf ist auch die Kritik an ihm zurückzuführen, in der Gallusstadt fehlten bisweilen die grossen Würfe.

Wer sagt, in der Amtszeit Scheitlins sei nichts Grosses passiert in der Gallusstadt, liegt falsch. Mit der Umsetzung der von ihm initiierten Strategie «Drei Museen – drei Häuser» sind im Osten der Stadt das neue Naturmuseum entstanden und das Historische und Völkermuseum saniert worden. Das Kunstmuseum kommt als nächstes an die Reihe.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin, der eine Stunde vor Beginn der Parlamentssitzung seinen Rücktritt auf Ende Jahr erklärt hat, vor der Parlamentssitzung in der Kreuzbleiche-Halle im Fokus der Medien.
10 Bilder
Die Sitzungen des Stadtparlaments werden durch die Stadtpolizei bewacht. In der Bildmitte FDP-Stadtparlamentarier Marcel Rotach, selber Kantonspolizist, im Gespräch mit den Beamten.
Andreas Hobi (Grüne, links im Bild) und hinten mit Glimmstengel Marcel Baur (GLP) und Etrit Hasler (SP).
Die aufgelockerte Sitzordnung in der Sporthalle Kreuzbleiche.
An der Wand die elektronische Abstimmungsanlage. Stadtschreiber Manfred Linke (hinterste Reihe rechts aussen) gibt gerade einen Kommentar zum Resultat ab.
CVP/EVP-Fraktionspräsident Patrik Angehrn gibt an einem von zwei Rednerpulten ein Votum ab. Links von ihm Stadtrat Peter Jans, Stadträtin Sonja Lüthi und Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin, der eine Stunde vor Beginn der Parlamentssitzung seinen Rücktritt auf Ende Jahr erklärt hat, vor der Parlamentssitzung in der Kreuzbleiche-Halle im Fokus der Medien.

Bild: Ralph Ribi

Der Bahnhofplatz, der am stärksten frequentierte Platz in der Ostschweiz, ist gesamthaft erneuert worden. Er präsentiert sich heute einladend und ist eine schöne Visitenkarte der Stadt. Das Glasfasernetz und das Fernwärmenetz mit Kehrichtheizkraftwerk sind Teile einer Smart City, die in der Schweiz Vorbildcharakter hat. Das schaffte Scheitlin freilich nicht alleine, sondern zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat, mit denen er stets den Konsens suchte.

Thomas Scheitlin ist ein begnadeter Redner, der seine Person souverän hinter die Sache stellt und dem es gelingt, Mehrheiten zu bilden, sei es im Stadtparlament, aber auch im Stimmvolk. Die Ausnahme: Bei der Neugestaltung des Marktplatzes erlitten er, Stadtrat und Parlament zwei Mal Schiffbruch. Die dritte Vorlage ist jetzt aber auf gutem Weg.

Er hinterlässt einen gesunden Finanzhaushalt: Thomas Scheitlin.

Er hinterlässt einen gesunden Finanzhaushalt: Thomas Scheitlin.

Bild: Ralph Ribi

Ein grosses Anliegen sind Scheitlin die Wirtschafts- und Standortförderung. Er war beteiligt an der Gründung des Innovationsnetzwerks «Startfeld» und am Cluster «IT St.Gallen rockt!». Er ist auch Treiber des Medical-Clusters St.Gallen. Der Regio Appenzell-St.Gallen-Bodensee, deren Geburtshelfer er war, steht er als Präsident vor. Was ihm misslang, sind Fusionen mit Nachbargemeinden und das Herbeiführen eines konkurrenzfähigen Steuerfusses.

Scheitlin hinterlässt einen gesunden Finanzhaushalt. Er betreibt eine weitsichtige Finanzpolitik, zu der auch das Schnüren unpopulärer Sparpakete gehört. Unter Scheitlin konnte das Eigenkapital auf über 100 Millionen Franken geäufnet werden. 2008 sorgte der Freisinnige schweizweit für Schlagzeilen, als er die Einwohner mit 50-Franken-Einkaufsgutscheinen am Rechnungsgewinn partizipieren liess. Für diesen Mut erhielt der volksnahe Stadtpräsident den Titel des Ehrenfödlebürgers.

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