Abstinente Jugend
Surf dich frei

Bis gestern Montag lautete ein ewigwährendes Naturgesetz: Nichts ist schlimmer als die Jugend von heute.

Gieri Cavelty
Gieri Cavelty
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Jugendliche surfen auf ihren Smartphones im Internet (Archiv)

Jugendliche surfen auf ihren Smartphones im Internet (Archiv)

Als ultimativer Beweis wurde dann eine Platon zugeschriebene Textpassage angeführt, worin sich Sokrates allerlei Gedanken über die Untugenden der Alt-Athener Teenager macht. Über die Jugend, so das onkelhafte Fazit, wird man sich immer beklagen müssen. – Und jetzt das: Die aktuell 15-Jährigen interessieren sich nicht so sehr für Zigaretten, Alkohol und Cannabis. Sie gelten als brav, angepasst, auch etwas dröge.

Noch eine frohe Kunde haben die Statistiker des Bundes gestern präsentiert. Die Kriminalität in der Schweiz geht zurück. Bei den Tötungsdelikten lag die Zahl gar so tief wie letztmals vor 30 Jahren. Wobei damals noch 1,5 Millionen Menschen weniger in der Schweiz lebten.

Gewiss: Gerade die gesunkene Zahl von Tötungsdelikten kann die Politik vermutlich als einen Erfolg für sich verbuchen. Hier dürfte sich nicht zuletzt das restriktivere Regime bei der Heimabgabe von Armeemunition bemerkbar gemacht haben. Ganz grundsätzlich dokumentieren die Statistiken allerdings einen sehr viel tiefer gehenden gesellschaftlichen Wandel. Denn während die Kriminalitätsrate insgesamt gesunken ist, sind die Fälle mit der Tatwaffe Internet mehr geworden: Betrug, Erpressung, Urkundenfälschung. Die Kriminalität verlagert sich ins Netz. Und die Jungen verzichten nicht einfach auf Drogen. Sie haben den Alkohol allem Anschein nach einfach nicht mehr so nötig. Das Internet bietet ihnen Kurzweil und ausreichend Fluchtmöglichkeiten.

Kurz: Die Statistiken zeigen ganz konkret, wie sehr die Digitalisierung unser alltägliches Leben beeinflusst. Über die Schattenseiten der Digitalisierung, über Stress und Burnout wegen der permanenten Erreichbarkeit, über Cybermobbing und eben die Gefahren der Internetkriminalität: Über diese Schattenseiten wird an dieser Stelle noch viel nachgedacht werden. Für heute freilich soll der Hinweis genügen, dass diese Veränderungen auch ihre guten Seiten haben – in jedem Fall, was die Gesundheit der Jugend angeht.