Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kommentar

St.Galler Spitalstreit: Wer für seine Region die bestmögliche Lösung herausholen will, muss mitreden statt trotzen

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg schloss 2018 mit einem Defizit von sechs Millionen Franken ab. Der Entscheid, in Wattwil keine Operationen mehr durchzuführen, ist eine folgerichtige Konsequenz. Die letzten Wochen zeigen: Der Widerstand der Spitalstandorte gegen jede Veränderung beginnt zu bröckeln.
Silvan Lüchinger
Silvan Lüchinger (Bild: Coralie Wenger)

Silvan Lüchinger (Bild: Coralie Wenger)

«Die Lage ist alarmierend», halten die Kantonsregierung und der Verwaltungsrat der Spitalverbunde übereinstimmend fest. Die FDP legt noch eins drauf: «Nun brennt das Haus.» Ob der Brand noch zu löschen ist, bevor die St.Galler Gesundheitsversorgung en bloc in Konkurs geht?

Tatsache ist, dass die anhaltende Verschiebung von stationären zu ambulanten Behandlungsformen, aber auch die Spezialisierung und die technische Entwicklung die Spitäler finanziell immer stärker in die Enge treiben. Die Gewinnmargen liegen deutlich unter jenem Wert der nötig wäre, um sich aus eigener Kraft permanent erneuern zu können. Besonders drastisch zeigt sich das am Spital Wattwil. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg, zu der Wattwil gehört, hat im vergangenen Jahr ein Defizit von rund sechs Millionen Franken geschrieben. Für die kommenden Jahre sind Fehlbeträge in ähnlicher Grössenordnung prognostiziert. Hinweise, dass es auch anders kommen könnte, gibt es nicht.

Der Entscheid, in Wattwil ab November keine Operationen mehr durchzuführen, ist eine folgerichtige Konsequenz. Er ist auch keine Überraschung. Bereits der letztes Jahr verhängte Baustopp war ein klares Vorzeichen, dass es so kommen würde. Ähnliches gilt für den Standort Altstätten. Vorerst hat die Regierung «nur» die Verlängerung des Baustopps beschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es schon bald zu ähnlichen Leistungseinschränkungen wie in Wattwil kommen wird, ist hoch.

Den Bemühungen um eine neue Strategie der Spitalverbunde gegenüber steht die Haltung der bedrohten Spitalstandorte. Einer nach dem anderen haben sie in den vergangenen Wochen dargelegt, wie sie die regionale Gesundheitsversorgung der Zukunft sehen. Der Widerstand gegen jede Veränderung beginnt sich aufzuweichen. In Altstätten nimmt man bereits das Wort «Ambulatorium mit Tageschirurgie» in den Mund, in Flawil scheint die Suche nach einem privaten Anbieter nur sehr harzig voranzukommen. Wattwil sieht das Heil in der Weiterführung eines Spitals mit beschränktem stationärem Angebot – notfalls samt Austritt aus dem Spitalverbund. Die Frage, wie das finanziell gestemmt werden soll, bleibt allerdings unbeantwortet.

Der Lenkungsausschuss des Projekts Strategieentwicklung will im vierten Quartal dieses Jahres auf den Tisch legen, wie es in jenen fünf Regionen weitergehen soll, die künftig ohne stationäres Angebot auskommen müssten. Das Alternativangebot muss – und wird wohl auch – nicht für alle Standorte gleich aussehen. Wer für seine Region die bestmögliche Lösung herausholen will, kommt deshalb nicht darum herum, mitzureden statt zu trotzen.

Auch wenn die FDP jetzt eine beratungsreife Vorlage für die Septembersession des Kantonsrates verlangt – das letzte Wort in der Spitalfrage dürfte das Volk haben. 6000 Petitionsunterschriften allein für das Spital Wattwil sind eindrücklich. Sie werden aber kaum verhindern, dass sich die Stimmbürger kantonsweit für eine Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung aussprechen. Aus finanziellen Überlegungen, aber auch aus dem Wunsch nach Sicherung der Qualität. Beides, ein kostengünstiges Spital in Gehdistanz und das auch noch bestückt mit raren Spezialisten, ist definitiv nicht zu haben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.