Credit Suisse
Späte Einsicht, wenig Fantasie

Der Schritt war überfällig. Nun ist er endlich da. Der gestern angekündigte Totalumbau bei der Credit Suisse (CS) ist radikal. Er führt zu einem klaren Bruch mit der Vergangenheit.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Credit Suisse wird umgebaut.

Credit Suisse wird umgebaut.

Keystone

Der Schritt war überfällig. Nun ist er endlich da. Der gestern angekündigte Totalumbau bei der Credit Suisse (CS) ist radikal. Er führt zu einem klaren Bruch mit der Vergangenheit. Der Ausflug nach Amerika ins Investmentbanking ist zu einem schönen Teil zu Ende. Auch das Geschäft mit den vermögenden Kunden wird neu aufgestellt. Asien ist die neue Traumdestination für die Bank. Der Abschied von der Ära Grübel und Dougan, so richtig er ist, wird schmerzhaft. Es wird zu einem Stellenabbau kommen, auch in der Schweiz. Doch für viele Kommentatoren kommt das alles viel zu spät, es geht zu wenig weit. Und ob diese teilweise Abspaltung der Schweizer Einheit wirklich das bringt, was man sich erhofft, wird sich erst noch zeigen.

Wie kam es so weit? Zu lange wähnte man sich bei der CS auf der sicheren Seite. Als Gewinner der Finanzkrise schien man unangreifbar. Diese Unachtsamkeit, dieses falsche Einschätzen der Entwicklungen, ja dieser Hochmut, rächt sich nun. Die Bank muss im dümmsten Moment frisches Kapital aufnehmen. Eine Position der Stärke sieht anders aus. Statt agieren, muss sie reagieren. Man wartete bis zum letzten Moment. Bis wirklich klar war, wie hoch der Bundesrat gehen will mit den neuen Kapitalregeln. Von aussen betrachtet, mag man das kaum glauben. Die Parallelen zur UBS, die sich vor der Finanzkrise zu lange in einer blendenden Verfassung wähnte, sind offensichtlich. Der Fall war jedoch dort um einiges gravierender.

Nun werden viele CS-Banker in den nächsten Monaten damit beschäftigt sein, um ihre Stelle zu kämpfen. Vor allem im Topkader werden sich viele fragen, wer der Nächste ist. Dies nachdem der neue Konzernchef Tidjane Thiam einen Grossteil der Führungsmannschaft mitsamt der jeweiligen Seilschaft ausgewechselt hat. Auch das sind keine schönen Aussichten.

andreas.schaffner@azmedien.ch