Zettel
Sepp und die Sprachbarriere

Die Kommunikation zwischen Deutschen und Schweizern ist vorbelastet. Die entgegenkommende Art von Kindern kann jedoch sehr entlastend wirken.

Raffael Schuppisser
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Von einer Sprachbarriere zu sprechen, wäre übertrieben. Dennoch verläuft die Kommunikation zwischen Deutschen und Schweizern selten ganz reibungslos. Sollen wir Schweizer mit ihnen Hochdeutsch sprechen, weil es höflich ist und es für uns eigentlich kein grosses Problem darstellt? Oder Dialekt, zumal wenn sie schon einige Jahre hier leben, weil wir ihnen dann zeigen, dass wir sie nicht als Ausländer betrachten?

Auf jeden Fall fand ich es immer etwas doof, wenn meine Teamkollegen aus dem Sportverein, dem süddeutschen Sepp (der heiss wirklich so) in der Beiz auf Hochdeutsch antworteten, während das Tischgespräch natürlich in Dialekt verlief. Das sagt doch nur eines: Der Sepp ist anders. Vielleicht ging er ja deshalb wieder zurück nach Deutschland. Und meine Teamkollegen sagten: «Auf Wiedersehen Sepp» anstatt «Tschau Sepp!».

Anderseits nerven mich Schweizer, die auch nördlich des Rheins nur ihren Dialekt sprechen – selbst dann, wenn der Kellner sie nicht versteht. Kinder haben da einen weit unverkrampfteren Umgang miteinander. Mein vierjähriger Sohn und sein deutscher Freund zeigen sich sehr entgegenkommend. Er spricht Hochdeutsch, oder versucht es zumindest. Sein Freund Schweizerdeutsch, oder versucht es zumindest. Ein vorbildliches Sprachtandem gewissermassen.

Dass mein Sohn davon profitiert, steht ausser Frage. Kürzlich sassen wir auf einer Parkbank. Er hatte einen Ball in der Hand, übergab ihn mir und sagt: «Papa, zeig mal, wie hoch du scheissen kannst.»

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