Kommentar
Sepp rennt Vol. 435

Die Korruptionsvorwürfe wegen der Vergabe der Fussball-WM an Katar und Russland kommen von unten, von links und rechts. Einzig von oben muss Sepp Blatter nichts befürchten, weil da ja auch nichts mehr ist. Trotzdem: Auf die Fifa hagelt es Kritik.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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FIFA-Präsident Sepp Blatter bei der WM-Vergabe an Katar.

FIFA-Präsident Sepp Blatter bei der WM-Vergabe an Katar.

Keystone

Was tut der schlaue Walliser? Er rennt zur Staatsanwaltschaft und zeigt «Familienmitglieder» an. «Blatters nächster, desperater Versuch der Imagekorrektur!», rufen die einen. «Blatters nächster Schritt zu mehr Transparenz!», rufen die anderen. Doch Sepp Blatter hat ganz andere Beweggründe. Wie so üblich bei streng organisierten Familien-Konzernen lebt gefährlich, wer Probleme ausserhalb der Familie lösen will. Das weiss auch Blatter. Sein Ziel ist das Zeugenschutzprogramm der Staatsanwaltschaft.

Ob Blatter dann als Stan Wawrinka irgendwo wieder auftaucht, ist eher unwahrscheinlich. Aber etwas Blatter täte dem Stan schon gut. Denn wäre Sepp nach jeder Verbal-Attacke zu einem Schiedsrichter gerannt, hätte er keine Zeit mehr gefunden, um sich die letzten 35-mal zum Fifa-Präsidenten wählen zu lassen.

Deshalb, lieber Stan, renn nicht gleich zum Schiedsrichter, wenn Frau Federer mal wieder «Crybaby» über den Tennisplatz schmettert. Renn zu Deiner Frau, heul Dich aus. Und beantrage das nächste Mal, wenn Du Dich mit Roger duellierst, ein ZeugenAusschluss-Programm für Frau Federer. Andernfalls würdest Du beim internationalen Gerichtshof menschenunwürdige Arbeitsbedingungen geltend machen.

Das versucht Xherdan Shaqiri auch schon seit längerem. Aber weil er dies nicht bei einer unabhängigen Instanz – sprich Fifa, Greenpeace, Schiedsrichter oder Nato – tut, sondern bei seinen Oberen, den Bayern-Chefs, kommt er keinen Schritt weiter. Doch jetzt, ziemlich unerwartet, scheint ihn der FC Bayern München davonrennen zu lassen. Die Klub-Bosse monieren, es mangle Shaq an Spielintelligenz und Cleverness, will die «Bild»-Zeitung wissen. Ob Shaqiri geheult hat, als er dies las, wissen wir nicht. Dabei läuft doch alles so prima für den Zauberzwerg. Denn das Bashing entlarvt die Bayern als Falschspieler («Shaqiri gehört die Zukunft») und drückt auch noch den Preis für den Schweizer. Deshalb, renn Shaq, renn. Weit weg.