Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kommentar

Dubiose PR-Strategie: Wie Apple Journalisten gängelt

Unser Autor hat jahrelang iPhones getestet. Nun lassen das die Bedingungen von Apple nicht mehr zu. Zeit, damit aufzuhören. Geständnis eines Aussteigers.
Raffael Schuppisser

In den letzten zehn Jahren habe ich über fast alle neuen iPhones geschrieben, die Apple auf den Markt gebracht hat. Ich habe beim iPhone 4S Siri willkommen geheissen und mich gefragt, ob Sprachassistenten bald eine ebenso wichtige Rolle spielen werden wie Kameras. Ich habe den Hersteller dafür gelobt, dass er beim iPhone 6 die Zeichen der Zeit erkannt hat und seinem Mobiltelefon einen vernünftig grossen Bildschirm spendiert hat – obwohl Steve Jobs zeitlebens dagegen war. Ich habe den Konzern für fehlende Innovation kritisiert und den Entwicklern meine Anerkennung ausgedrückt, dass sie es stets schaffen, neue technische Funktionen nahtlos ins Apple-Design einzuweben.

Damit ist nun (vorerst) Schluss. Über das iPhone 11 werde ich keinen Testbericht verfassen. Das liegt einerseits daran, dass sich die Entwicklung bei den Smartphones verlangsamt hat. Konnte man früher Jahr für Jahr auf eine neue kleine Revolution hoffen, so verändern sich nun die Geräte gegenüber den Vorgängermodellen nur noch marginal. Viel Neues gibt es über das iPhone 11 nicht zu berichten. Dass man die Fortschrittchen, auf einer ganzen Zeitungsseite auswalzen kann, beweisen Kollegen. Ob das gerechtfertigt ist, kann man sich fragen. Spannend ist es nicht.

Tim Cook lädt auserwählte Journalisten zur Messe nach Cupertino. (Bild: AP)

Tim Cook lädt auserwählte Journalisten zur Messe nach Cupertino. (Bild: AP)

Das würde man eher von Huawei erwarten


Es liegt aber andererseits auch an Apples sonderbarer PR-Strategie. Seit Freitag gibt es das neue Handy, das der Konzern am 10. September vorgestellt hat, auch in der Schweiz zu kaufen. Den hiesigen Journalisten wird es aber erst heute abgegeben – also Tage nachdem es bereits auf dem Markt ist. Eine Ausnahme bildet eine fein erlesene Gruppe von drei oder vier Kollegen. Sie werden jeweils in der Businessclass nach Cupertino geflogen. Dort sind sie live dabei, wenn CEO Tim Cook im sakralen Steve Jobs Theater zur Messe lädt. Emsig tippen sie in ihre Notebooks, um möglichst alle Details einzufangen, und geben sich dabei Mühe, trotz lautem Klatschen und Johlen der Apple-Mitarbeiter im Saal unbeirrt bei ihrer journalistisch-kritischen Haltung zu bleiben.


Auch die nicht-auserlesenen Journalisten wie ich werden zur Bescherung eingeladen. Einfach später und in weniger prunkvoller Umgebung am Sitze von Apple Schweiz. Auch hier wird Englisch gesprochen. Denn die Schweizer Mitarbeiter sind nicht autorisiert, iPhones an Journalisten abzugeben. Das dürfen nur auserwählte Mitarbeiter, die jedem Journalisten einzeln ins Gewissen reden.
Zuerst macht man etwas Smalltalk, bestätigt sich gegenseitig darin, was für ein schöner Tag das ist (nicht weil die Sonne scheint, sondern weil die neuen Apple-Geräte hier sind). Dann geht’s ins sogenannte Briefing. Das heisst, ein autorisierter Apple-Mitarbeiter demonstriert die Funktionen des Geräts und sagt, dass es das «beste iPhone ist, das man je entwickelt hat». Daneben sitzt ein zweiter Apple-Mitarbeiter, der nichts sagt, aber Notizen macht. Bis jetzt ist mir nicht ganz klar, ob er den Journalisten oder seinen Kollegen überwacht, ich tippe aber auf Letzteres. Eine solche PR-Strategie würde man eher von Huawei, dem Konzern aus dem kommunistischen China, erwarten. Huawei schickt Journalisten Testgeräte aber ohne Umschweif zu.

Das sektiererische Prozedere ist witzlos geworden


Bei meinem ersten «Briefing» habe ich, aus natürlichem journalistischem Reflex, zwei, drei kritische Fragen gestellt. Doch das kam nicht gut an. Am Ende hat mich die Schweizer PR-Frau sanft darauf aufmerksam gemacht, dass das hier nicht erwünscht sei. Es führte auch zu nichts. Denn die Apple-Mitarbeiter waren nicht auf diskutieren aus, sondern bloss auf präsentieren. Seither habe ich mir zum Spiel gemacht bei einem «Briefing» mindestens zehnmal «awesome» und achtmal «exciting» zu sagen, in der Hoffnung, die Zeremonie abkürzen zu können und unmittelbar ein Testgerät zu erhalten.


Einst machte es Sinn, das Apple-Prozedere über sich ergehen zu lassen. Schliesslich hat das iPhone die Welt verändert. Das ist lange her. Und wenn man nun das iPhone 11 schon bei kauffreudigen Freunden oder im Apple Store begutachten kann, bevor man es als Technik-Journalist in die Hände bekommt, ist das sektiererische «Briefing» gänzlich witzlos geworden. Wenn man nun in den nächsten Tagen doch einige Schweizer Tests im Netz und in Print-Publikationen sieht, liegt das daran, dass Journalisten sich lieber eine neues iPhone als Testgerät abgeben lassen, als es sich zu kaufen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.