Kommentar
Rührende Worte für Vreneli Müller

Die Entwicklung hin zum automatischen Austausch von Kontodaten war längst absehbar. Dennoch: Die Einführung dessen darf kein Freipass für einen Schnüffelstaat sein.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Die Entwicklung hin zum automatischen Austausch von Kontodaten war absehbar, das Bankgeheimnis in der bisherigen Form gegenüber dem Ausland zu Recht nicht mehr haltbar.

Die Entwicklung hin zum automatischen Austausch von Kontodaten war absehbar, das Bankgeheimnis in der bisherigen Form gegenüber dem Ausland zu Recht nicht mehr haltbar.

Keystone

Kennen Sie Vreneli Müller? Die unbekannte Frau tauchte in der gestrigen Diskussion um die Abschaffung des Bankgeheimnisses wiederholt als Sinnbild für die einfache Bürgerin auf, deren ausländisches Konto künftig vom Staat kontrolliert werden soll. Der wichtigste Anwalt von Vreneli Müller: Thomas Matter, millionenschwerer Banker aus Zürich. Er kämpfte verbissen, wenn auch meist auf verlorenem Posten, für die Aufrechterhaltung des Bankgeheimnisses.

Stets bemühte Matter die bemitleidenswerte Vreneli Müller und deren einwandfreie Zahlungsmoral. Menschen wie sie seien die Verlierer des automatischen Informationsaustausches. Bei aller Sympathie für Vreneli Müller: Wir sollten nicht den Schalmeienklängen ihres Anwalts verfallen. Der ehrliche Bürger hat nichts zu befürchten. Ungemütlich wird es hingegen tatsächlich für Betrüger, die Geld ins Ausland gebracht haben, um es dem helvetischen Fiskus vorzuenthalten.

Die Entwicklung hin zum automatischen Austausch von Kontodaten war absehbar, das Bankgeheimnis in der bisherigen Form gegenüber dem Ausland zu Recht nicht mehr haltbar. Die Banken haben dies begriffen und ihre Geschäftsmodelle angepasst. In einem Punkt hat Thomas Matter aber recht: Die Einführung des automatischen Informationsaustausches darf kein Freipass für den Aufbau eines Schnüffelstaates sein. Transaktionen müssen Privatsache bleiben, wie es Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf versprochen hat. Vreneli Müller soll ihren Kontostand Ende Jahr offenlegen. Wem sie aber wann welchen Betrag einzahlt, geht den Staat nichts an.