Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Rösti? Charaktergraben!

Analyse zu den gehäuften Verfehlungen der Westschweizer Politiker.
Eva Novak

Die erste Bombe ging im Februar hoch. Pascal Broulis, Waadtländer Finanzdirektor und selbst ernannter Steuerfan («ich liebe Steuern»), musste sich einen erstaunlichen Einfallsreichtum vorwerfen lassen, was die Optimierung seiner eigenen Steuern betrifft. Dann wurde bekannt, dass es der FDP-Politiker mit dem in der Waadt pauschalbesteuerten schwedischen Multimilliardär und russischem Honorarkonsul Frederik Paulsen besonders gut kann. Mit ihm hatte Broulis exklusive Russland-Reisen unternommen, an denen er sich schon mal per Militärhelikopter oder gechartertem Schiff transportieren liess.

Der Staatsanwalt klärt in einer Voruntersuchung ab, ob Paulsens Pharmaunternehmen von der Liaison mit dem kantonalen Schatzmeister steuerlich profitiert habe. Egal, ob’s rechtens war: Moralisch jedenfalls ist es zumindest fragwürdig.

Das Gleiche gilt für Broulis’ Parteikollegen Pierre Maudet aus dem Nachbarkanton. Der ehemalige Bundesratskandidat und Genfer Regierungspräsident liess sich samt Familie und Stabschef ans Formel-1-Rennen nach Abu Dhabi einladen. Maudet behauptet, ein Freund habe für den Business-Class-Trip bezahlt, die Genfer Staatsanwaltschaft, die eine Strafuntersuchung eingeleitet hat, vermutet den edlen Spender eher in der Person des Kronprinzen. Zumal der Genfer Flug­hafen kurz nach der Reise eine Konzession an eine Gesellschaft aus den Emiraten vergab.

Ebenfalls unter ominösen Umständen nach Abu Dhabi gereist ist der Genfer CVP-Stadtrat und Nationalrat Guillaume Barazzone. Vor allem aber hat er Spesen nicht zu knapp bezogen: 2017 liess er sich zusätzlich zur Spesenpauschale von 13200 Franken weitere 42000 Franken aus der Staatskasse bezahlen – etwa für Drinks in einem Nachtklub oder an einer Strandbar.

Über Frederik Paulsen stolperte auch Géraldine Savary.Die Waadtländer SP-Ständerätin legte ihr Mandat nieder, nachdem publik geworden war, dass sie mit dem Pharmafabrikanten nicht nur diverse Reisen unternommen, sondern von ihm auch ein paar tausend Franken für den Ständeratswahlkampf kassiert hatte.

Gleich vier Politiker aus der Romandie haben sich heuer als besonders begnadete Spesenritter und Geschenke-Annehmer erwiesen. Es wäre einfach, dies mit der welschen Laisser-Faire-Mentalität zu erklären. Wer aber diesseits der Saane genau hinschaut, muss sich fragen: Sind die Deutschschweizer denn besser? Mit Christian Miesch (SVP) war es ein ehemaliger Baselbieter Nationalrat, der erstmals seine Immunität verlor. Ihm wird vorgeworfen, sich das Einreichen einer Interpellation zu Gunsten Kasachstans mit dem Preis eines Generalabonnements bezahlt haben zu lassen. Und in der Armee waren es Deutschschweizer, die besonders freizügig mit Spesen umgingen – wenn auch nicht für sich selber, sondern für ihre Mitarbeiter.

Die aktuell auffällige Häufung in der Westschweiz hängt wohl damit zusammen, dass nach dem Auffliegen des ersten Falls Strafverfolgungs­behörden und Medien genauer hinschauten. Den Welschen mag vieles leichter fallen als uns Deutschschweizern. Ungehörig viele Spesen zu beziehen und zu Vetterliwirtschaft zu tendieren gehört nicht dazu. Das ist keine Frage der Herkunft, sondern der Veranlagung. Folglich gibt es in dieser Frage keinen Rösti-graben. Sondern, wenn schon, einen Charaktergraben.

Eva Novak

Eva Novak

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.