Kommentar

Rainer Schregels Absetzung war und ist richtig

Wegen Formfehlern im Absetzungsverfahren darf Rainer Schregel momentan wieder als Amtsarzt des Kantons St.Gallen firmieren. Das ist kein Zustand auf Dauer. Der Deutsche hat die Lektion nicht begriffen.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Es gibt gewisse Chargen beim Staat, da muss man ein bisschen aufpassen, was man öffentlich sagt. Mit der Übernahme eines Amtes sind in der Regel Erwartungen an Auftritt und Haltung verbunden, ja an den Charakter im allgemeinen.

Wer zum Beispiel grölen oder pöbeln will, der macht das am besten anonym im Fussballstadion. Und nicht auf Facebook oder Twitter. In der Masse geht man besser unter. Da merkt es fast niemand, wenn man ein wenig über die Stränge haut.

Rainer Schregel, Amtsarzt des Kantons St.Gallen im Toggenburg, gehört zu jener Kategorie Würdenträger, welche die Würde weitgehend vermissen lassen. Er hat dies bereits im Sommer bewiesen, als er eine kritische Journalistin völlig unprofessionell und unbedacht als «Goebbels Mädchen» abgekanzelt hat. Der Kanton hat ihn in der Folge seines Amtes enthoben, bis vor kurzem ein Gericht festhielt, die Absetzung müsse wegen Formfehlern rückgängig gemacht werden.

Rainer Schregel bekommt also unverhofft eine Art zweite Chance, auch wenn der Kanton am Prozedere, das letztlich zu Schregels Amtsenthebung geführt hat, festhalten will. Doch auch diese Chance lässt er ungenutzt verstreichen. In einem öffentlich einsehbaren Posting auf Facebook machte sich der Arzt frivol frotzelnd über den Corona-Tod eines 101-Jährigen lustig.

Selbst wenn das ein Satiriker täte, der bekanntlich fast alles darf, würde man die Nase rümpfen. Doch bei einem Arzt, der obendrein als offizieller Vertreter des Kantons fungiert, bleibt einem schlicht die Puste weg. Der Facebook-Post ist mittlerweile bereits wieder gelöscht worden. Das ist einerlei. Rainer Schregel hat definitiv bewiesen, dass er dieses Amtes unwürdig ist. Der Kanton weiss das. Gut, handelt er. Je schneller, desto besser. Und ohne Formfehler, bitte.