Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gastkommentar

Publizist Felix E. Müller warnt vor Bauernpräsident Markus Ritter

Bauernpräsident Markus Ritter ist eine Gefahr für den Steuerzahler – und die Bauern.
Felix E. Müller
Effizienter Lobbyist: Markus Ritter, CVP-Politiker und Bauernpräsident. (Bild: Alex Spichale)

Effizienter Lobbyist: Markus Ritter, CVP-Politiker und Bauernpräsident. (Bild: Alex Spichale)

Felix E. MüllerDer Publizist war lange Chefredaktor der NZZ am Sonntag.

Felix E. Müller
Der Publizist war lange Chefredaktor der
NZZ am Sonntag.

Sollten Sie per Zufall Markus Ritter auf der Strasse begegnen, so halten Sie Ihr Portemonnaie fest. Denn egal, wer mit ihm redet: Nach jedem Gespräch dürfte der Präsident des Schweizerischen Bauernverbands seinem Gegenüber ein paar Franken Subventionen abgeknöpft haben. Der CVP-Nationalrat ist der effizienteste Lobbyist der Schweiz, was für den Steuerzahler eine problematische Auszeichnung darstellt. Tag und Nacht arbeitet er daran, der Landwirtschaft noch mehr Geld in die Kassen zu schieben, obwohl diese jetzt schon zu den weltweit teuersten gehört. Mittlerweile gibt allein der Bund rund 3,7 Milliarden Franken dafür aus, die Hälfte dessen, was in Bildung und Forschung fliesst. Seit den 1990er-Jahren haben die Subventionen pro Hof um 50 Prozent zugenommen – von 47 000 Franken auf 71 000 Franken. Doch Ritter will noch mehr. Und es ist zu befürchten, dass er dies schafft.

Ritter ist taktisch mit allen Wassern gewaschen: wendig wie ein Wiesel, schlau wie ein Fuchs und – wenn es sein muss – dreist wie eine Krähe.

Als sich etwa der damalige Wirtschaftsminister Johannes Schneider-Ammann erfrechte, in einem Papier vom Agrarsektor mehr «Marktöffnung und Wettbewerb» zu fordern, antwortete Ritter bloss, das Papier gehöre «in den Shredder». Sein Opportunismus ist bemerkenswert. Geht es darum, den Grenzschutz für ausländische Nahrungsmittel weiter zu erhöhen, der die Konsumenten jährlich 3,7 Milliarden Franken kostet, ist er mit den Grünen ein Herz und eine Seele. So gesund und rein seien keine Lebensmittel wie diejenigen, die auf Schweizer Scholle sprössen, pflegt er dann jeweils zu sagen, ausländischer Karsumpel müsse deshalb draussen bleiben. Kritisieren die Grünen umgekehrt aber, die Schweizer Bauern würden zu viel Gift spritzen, ist er empört über solche Frechheiten. Ohne Pestizide keine angeblich natürlichen Schweizer Nahrungsmittel, lautet dann seine Botschaft an die Grünen. Und kann dabei auf die Unterstützung von FDP, CVP und GLP zählen, die er am folgenden Tag mit seiner Opposition gegen alle Freihandelsabkommen frustriert. Soeben hat er Wirtschaftsminister Guy Parmelin die Freude über den Abschluss eines solchen mit den Mercosur- Staaten in Südamerika vergällt, stellte er diesem doch «schwierige Verhandlungen» im Parlament in Aussicht. Noch schlechter sind deswegen die Aussichten für ein Freihandelsabkommen mit den USA, weil Trump seinen Farmern Ersatzmärkte für die in China verlorenen öffnen muss. Da müssten die Schweizer Bauern grössere Konzessionen leisten. Ritter wird den Turbo einschalten, um dies zu verhindern. Was kümmern ihn die Arbeitsplätze in der Exportindustrie! Ihm geht es nur um die Bauernsame. Ob die Sonne scheint oder Schnee fällt, ob es regnet oder Dürre herrscht, ob es viel Obst hat oder wenig: Immer weiss Ritter, es braucht in jedem Fall mehr Subventionen. Sogar beim Klimawandel schaffen die Bauern den Spagat. Im Kanton Zürich unterstützen sie Roger Köppel für den Ständerat, der den Klimawandel als Erfindung linker Lehrer verspottet, doch gleichzeitig fordert der Bauernpräsident vom Bund – was wohl?: mehr Geld, damit Landwirte Versicherungen gegen die zunehmende Trockenheit abschliessen können.

Doch Ritter macht das, was die Amerikaner «overplaying his hand» nennen: Er dribbelt sich ins Abseits.

Innert kürzester Zeit sind zahlreiche Volksinitiativen eingereicht oder lanciert worden, welche die Landwirtschaft zum Thema haben. Der Bauernverband öffnete die Büchse der Pandora mit seiner protektionistischen Initiative für Ernährungssicherheit. Die Grünen doppelten mit der ähnlich ausgerichteten «Fair food»-Initiative nach. Zwei neue Initiativen richten sich gegen den Pestizidverbrauch auf Schweizer Feldern und kommen demnächst vors Volk, im September dürfte eine Initiative gegen Massentierhaltung eingereicht werden. Und Umweltorganisationen sammeln gegenwärtig Unterschriften für eine Landschafts-Initiative und eine Biodiversitäts- Initiative. Die Forderungen, die mit diesen Vorstössen formuliert werden, sind allesamt zu extrem. Aber Ritter müsste eigentlich alarmiert sein, weil diese Flut zeigt, dass der Druck auf die Bauern steigt. Der Bauernpräsident müsste zugeben: Jawohl, es gibt Probleme, und wir gehen diese offensiv an. Die Intensität der Landwirtschaft schadet der Biodiversität, der Pestizideinsatz muss gesenkt werden, es wird zu viel Gülle auf die Felder ausgebracht. Auch ist der Verbrauch von Antibiotika in der Schweiz im internationalen Vergleich zu hoch. Da antwortet Ritter sinngemäss: Ich sehe hier gar kein Problem, doch gibt man uns mehr Subventionen, können wir schon etwas tun.

Die Zeiten, in denen die Bauern fast selbstverständlich auf die Sympathien der Schweizer Bevölkerung zählen konnten, scheinen vorbei zu sein.

Urbane Vorstellungen von Landwirtschaft, Landschaft und Landschaftsschutz gewinnen an Popularität. Einem Bauernstand, der diesen Anliegen nur mit Verständnislosigkeit und Abwehr begegnet, gleichzeitig aber vom Steuerzahler stets mehr Subventionen fordert, scheint es nur um Blockade und finanzielle Optimierung zu gehen. Markus Ritter ist für die Schweizer Bauern scheinbar ein Plus, doch eigentlich ein Problem.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.