PRO UND KONTRA
Paw Patrol: Ist die Serie bloss «ideales Futter für die Kleinen» – oder steckt dahinter ein Werbespot für Spielzeuge?

Die Welpenpatrouille «Paw Patrol» kommt in die Kinos. Kinder sind sich einig: Die Serie ist super. Eltern hingegen sind gespalten. Bloss kommerzieller Quatsch oder doch pädagogisch wertvoll?

Daniel Fuchs, Katja Fischer de Santi
Daniel Fuchs, Katja Fischer de Santi
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Paw Patrol spaltet die Meinungen.

Paw Patrol spaltet die Meinungen.

Warner Bros

Pro Paw Patrol – Daniel Fuchs: «Die zehnminütigen Episoden sind ideales Futter für kleine Kinder. »

Ich mag die Fellfreunde, wie sie in der auf Deutsch synchronisierten Kinderserie aus Kanada heissen. Beim Verfassen dieser Zeilen schwirrt mir sogar die Titelmusik durch den Kopf. Hin und wieder übernehme ich eine Rolle im Spiel unseres 4-jährigen Sohns, der die Abenteuer der Hunderetterkolonne nachspielt – und neue erfindet.

Ja, «Paw Patrol», wobei «Paw» für Pfote steht, gibt es nicht nur als computeranimierte TV-Serie und neu als Kinofilm, es existiert ein riesiger Merchandisemarkt. Erster Kindergartentag diese Woche: Die Hälfte der Kinder outet sich als «Paw-Patrol»-Fans. Sei es der Polizeihund mit dem Namen Chase, der auf einem T-Shirt prangt, ein «Paw-Patrol»-Rucksack oder das Baseballcap mit der Cockapoowelpin Skye unseres Sohns.

Daniel Fuchs, Kulturredaktor

Daniel Fuchs, Kulturredaktor

Sandra Ardizzone

Was macht die computeranimierte Serie so anziehend? Natürlich, es ist erst einmal die Action. Die Episoden sind immer nach demselben Muster gestrickt. Die Hunde, Chase, Rubble, Rocky, Zuma, Marshall und Skye tollen herum, bis ihr Herrchen, der Schuljunge Ryder, einen Notruf erhält.

Die Welpen werden alarmiert und verwandeln sich in der Zentrale in uniformierte Polizei-, Feuerwehr- oder Pilotenhunde. Dazu erhalten sie ihre persönliche Spezialausrüstung. Nachdem Ryder sie über den Einsatz orientiert hat, geht’s los zum Rettungseinsatz – via Rutsche lassen sich die Hunde in ihr jeweiliges Spezialfahrzeug befördern. Das ist ein Spass, der mich erinnert an meine kindliche Faszination für Wallace’s Aufweck- und Ankleidemaschine in der britischen Animationsserie «Wallace & Gromit».

In «Paw Patrol» ist alles drin: Flapsige Hunde, Gadgets, Fahrzeuge, Spannung und selbstverständlich geht es immer gut aus. Die zehnminütigen Episoden sind ideales Futter für kleine Kinder. Bestimmt nicht geistreich, klar. Doch was gibt es schon Harmloseres? Da nerven mich andere Kinderformate auf Netflix, Youtube und Co. mehr. Kennen Sie «Leo Lastwagen»? Übles Zeug. Lieber sehe ich dabei zu, wie sich mein Sohn mit einem Hund identifiziert als mit einem Lastwagen.

Selbst Ludotheken kommen nicht um den «Paw Patrol»-Boom. Und so steht bei uns seit kurzem eine riesige «Paw-Patrol»-Einsatzzentrale im Wohnzimmer. Mein schlechtes Gewissen, einer gewaltigen Marketingmaschinerie aufzusitzen, hält sich in Grenzen.

Das allerbeste aber sind die Fachdiskussionen der Kleinen über die Gadgets der Hundekolonne. Das kann schon mal ausufern und ist für erwachsene Zuhörer der noch grössere Spass als die Filmchen selbst.

Kontra Paw Patrol – Katja Fischer De Santi: «Das Ziel der Welpen ist, Kinder in Konsumenten zu verwandeln. »

Eigentlich wollte ich nur eine Spielzeug-Garage für meinen Sohn kaufen. Eine niedliche aus Holz schwebte mir vor. Doch was mir die Algorithmen von Google auf meinen Bildschirm spülten, das war wie aus einer sehr fremden Galaxie: Ein 70 Zentimeter grosser Kontrollturm des Schreckens. Vollgestopft mit Sound- und Lichtanlagen, alles daran irgendwie drehbar und von jener ausgesuchten Plastik-Hässlichkeit, auf die Kleinkinderhirne reagieren wie Hunde auf Futter: mit Sabbern und sofortigem Haben-Wollen.

Katja Fischer De Santi, Co-Leiterin Leben/ Wissen

Katja Fischer De Santi, Co-Leiterin Leben/ Wissen

Ralph Ribi

Was ich da sah, war der «Paw Patrol Mighty Pups Lifesize Lookout Tower» die «ultimative Einsatzzentrale» einer selbst ernannten Bürgerwehr aus Babyhunden in klobigen Fahrzeugen. Ich klickte das Angebot sofort weg. Doch es war zu spät. Die Hündchen fanden einen anderen Weg, um sich mit ihren Saugnapf-Pfoten in die Hirne meiner Kinder und in unserem Wohnzimmer festzusetzen.

Nicht so schlimm, eigentlich. Was soll man auch Schlechtes an sechs Welpen finden, die in Uniformen und mit Spezial-Rucksäcken bei jedem erdenklichen Ereignis ausschwärmen und alles retten, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Bei «Paw Patrol» ist alles sehr niedlich und friedlich und gar nicht so schlecht gemacht. Es ist genau so gemacht, dass Eltern es bedenkenlos ihren Dreijährigen vorsetzten: 187 Folgen à elf Minuten lang. Hardcore-Fans ziehen sich das mit Schnuller im Mund auch mehrfach rein.

Doch das Problem an der Pfotenpatrouille ist nicht die TV-Produktion. Das Problem ist, dass diese Serie von Anfang an als Werbespot für das Spielzeug der Firma Spinmaster konzipiert wurde. Auf Wikipedia ist zu lesen, dass deren Eigentümer schon 1994 während ihres Studiums Kinderspielzeug vermarkteten.

2010 hatten sie dann die brillante Idee, das Konzept von wandlungsfähigen Maschinen für Kindergartenkinder einzusetzen und darum herum eine Serie kreieren zu lassen. Von niemand geringerem als Keith Chapman, dem Erfinder von «Bob der Baumeister» übrigens. Von ihm stammt die Idee mit den Hunden, weil das für Mädchen besser funktioniert. Wer sich also je gefragt hat, warum die Pfoten-Patrouille derart hochgerüstet ist, dass selbst James Bond feuchte Augen kriegen würde, findet die Antwort im nächsten Spielzeugkatalog. Auch die klobige Ästhetik ist allein der Feinmotorik von Kleinkindern geschuldet.

Aus dieser Perspektive wirken die Welpen nicht mehr ganz so unschuldig. Ihre humorfreien Rettungsaktionen haben nur ein erklärtes Ziel: Kinder in Konsumenten zu verwandeln, bevor diese «Paw Patrol» richtig aussprechen können.

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