Polemik

Post-digitales Körpergefühl

Die Zukunft ist post-digital, verkünden die Trendforscher vom Gottlieb-Duttweiler-Institut. Eingeläutet habe diese «haptische Wende» 2007 der iPhone-Touchscreen. Es sei nichts Geringeres als die Renaissance des Tastsinns.

Miachel Wehrle
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Die Renaissance des Tastsinns dank Touchscreen. (Symbolbild)

Die Renaissance des Tastsinns dank Touchscreen. (Symbolbild)

AZ

Bei Luxusautoherstellern gibt es spezialisierte Haptik-Teams, die den Innenbereich auf tast-sinnliche Gefälligkeit – wörtlich – abtasten. Dieses Einbauen und Nachrüsten ist hier zwar nicht gemeint. Die Revolution unserer Wahrnehmung sehen die Auguren vielmehr in Technologien, bei denen Körperlichkeit schon im frühen Entwicklungsstadium mitbedacht ist. Aber auch die funktionale Integration von Soft- und Hardware, von Berühr- und Unfassbarem, ist kaum ein disruptives Novum.

Dass eine mit epochalem Pathos ausgerufenen Ära keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben muss, zeigte pünktlich zur Jahrtausendwende die New Economy. Mit dem Platzen der Tech-Blase an den Börsen platzte schon zu Beginn der vermeintlichen Zeitenwende auch der Traum, die Digitalisierung habe die Fesseln von Schwerkraft und Buchhaltung endlich gesprengt.