Per Autostopp um die Welt
Pflichttermin in Thailand: Mein erster Boxkampf

Autostöppler Thomas Schlittler zieht eine längere Reisepause ein. Das tut er in Bangkok. Dort besucht er einen Nationalsport-Anlass: Thaiboxen. Per Autostopp um die Welt – Woche 41.

Thomas Schlittler
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Nach 9 Monaten 'on the road' brauche ich eine längere Reisepause -und einen neuen Pass. Ich habe mir deshalb in Bangkok für den ganzen März ein Appartement gemietet
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Per Autostopp um die Welt - Woche 41: Reisepause in Bangkok
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Kampfsportveranstaltung besuche. Und ich muss zugeben_Es hat was, einen solchen Kampf aus nächster Nähe zu beobachten
Ich merke, wie der Adrenalinspiegel auch bei mir - sowie allen anderen Zuschauern - steigt. Es ist fesselnd und wird bestimmt nicht mein letzter Kampf gewesen sein
Ein bisschen thailändische Kultur habe ich mir auch gegönnt_Ich besuche eine Muay-Thai-Fight-Night, besser bekannt als Thaiboxen – der Nationalsport Thailands
Von meinem Balkon aus (18. Stock) habe ich ein bisschen die Nachbarschaft beobachtet: Ob die immer arbeitenden Coca-Cola-Angestellten
Oder die Kinder, die auf der Baustelle einen Platz zum Spielen gefunden haben

Nach 9 Monaten 'on the road' brauche ich eine längere Reisepause -und einen neuen Pass. Ich habe mir deshalb in Bangkok für den ganzen März ein Appartement gemietet

Thomas Schlittler

Ich bin kein Rambo: Das Brutalo-Game Grand Theft Auto (GTA) habe ich verkauft, als ich in die Lehre kam. Actionfilme sagen mir nichts. Ich habe alles getan, um mich vor dem Militär zu drücken. Und ich hatte in meinem Leben noch nie eine Schlägerei.
Auch mit stark körperbetonten Sportarten konnte ich nie etwas anfangen. Vor einigen Jahren im Sprachaufenthalt in Frankreich, als gleichzeitig die Rugby-WM und das US Open liefen, bin ich fast verzweifelt, weil meine Schlummermutter nicht einsehen wollte, dass Rubgy im Vergleich zu Tennis ein primitives Köpfe-Aufeinanderprallen ist. Und weil schon mein Vater dem runden Leder nachjagte, habe ich früh erkannt, dass König Fussball den Eishockey-Bodychecks vorzuziehen ist.
Die Bemerkung, dass Kampfsportarten immer ein rotes Tuch für mich waren, ist nach dieser Einleitung wohl überflüssig. Nie wäre ich in der Schweiz auf die Idee gekommen, einen Boxkampf zu besuchen. Aber wie heisst es so schön: «Wenn du in Rom bist, mach es wie die Römer.» Also bin ich diese Woche in Bangkok an eine Muay-Thai-Fight-Night gegangen, besser bekannt als Thaiboxen – der Nationalsport Thailands.
Die Veranstaltung beginnt mit einem ruhigen Moment: Alle erheben sich, um der Köngishymne zu lauschen. Danach klettern zwei junge Burschen, wohl keine 20 Jahre alt, über die Seile in den Ring. Doch die beiden schlagen sich nicht gleich die Köpfe ein, sondern bewegen ihre eingeölten, schmalen, aber voll durchtrainierten Körper zuerst zu den Klängen traditioneller thailändischer Musik. Mit dem Ritual zollen sie ihren Trainern Respekt.
Die beiden Jugendlichen sind voll fokussiert. Dass sie heute Abend mehrere hundert Zuschauer haben, weil der Kampf bei einem grossen Einkaufszentrum im Herzen Bangkoks stattfindet, scheint sie nicht zu beeindrucken.