Persönlich
«Gang mer ewäg!»

Urs Huber
Urs Huber
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Das Leben geniessen im Strassencafé in Lissabon.

Das Leben geniessen im Strassencafé in Lissabon.

Horacio Villalobos / Corbis News

Wie ist das doch in meinem Erinnerungsprotokoll? Erst war Schweden irgendwie Coronasieger im Umgang mit der Pandemie. Dort oben machten sie vermeintlich alles richtig und alle anderen alles falsch. Bis der Absturz nahte. Dann kam Japan als Musterknabe hinzu, wo die Menschen schon seit langem vorbildlich mit Mundschutz ausgestattet durch die Gegenden schreiten. Auch dort machte man alles richtig und alle anderen alles falsch. Dann war Irland an der Reihe, erlebte aber nach Weihnachten ein Waterloo. Und dann lese ich in der Zeitung, Portugal habe sich vom Loser zum Winner in der Pandemie gemausert. Dort sitzt man jetzt offenkundig in der Gartenbeiz und lässt sich sanfte Aprilluft um die Nase wehen. Wohl alles richtig gemacht im Lande Magellans.

«Gang mer ewäg!», sagten die Menschen früher, wenn sie Froh- und Hiobsbotschaften mit kurzer Halbwertszeit überdrüssig wurden. Eine Bemerkung, die sich von Kurzlebigem distanziert und die der Schlussbilanz vertraut. «Wo das Erreichte zählt und nicht das Erzählte reicht», wie Kabarettist Alfred Dorfer jeweils sagt.

Gar nicht so unsympathisch. Ich überlege mir, die etwas altertümliche Redewendung in meinen Aktivwortschatz aufzunehmen. Ob ich so die Welt für mich besser einordnen kann? «Gang mer ewäg!»