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Kommentar

Nutri-Score - die Ampel, die beim Lebensmittel-Einkauf helfen soll

Damit den Leuten wirklich geholfen werden kann, sollte das Programm zusätzliche Dinge wissen. Dinge, welche Produzenten nicht so gern angeben. Zum Beispiel den Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels.
Annika Bangerter
Annika Bangerter ist Redaktorin im Ressort Leben & Wissen.

Annika Bangerter ist Redaktorin im Ressort Leben & Wissen.

Wer heute einkauft, betritt den Supermarkt der Möglichkeiten. Die Auswahl ist riesig. Zutaten aus der ganzen Welt liegen ebenso in den Regalen wie fertig zubereitete Mahlzeiten. Doch die Vielfalt macht nicht gesünder. Im Gegenteil. Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck sind Volkskrankheiten. Die nationale Ernährungserhebung «menuCH» hat gezeigt: Durchschnittlich konsumieren Herr und Frau Schweizer rund vier Mal so viel Süsses und Salziges wie empfohlen wird.

Man muss Fertiggerichte nicht verteufeln. Auch wer sein Essen selber kocht, kann eine miserable Auswahl an Zutaten treffen, zu tief in die Zuckerdose greifen oder mit zu viel Begeisterung den Salzstreuer schütteln. Aber zumindest geschieht es dann bewusst – und lässt sich bei Bedarf justieren.

Anders ist dies bei hochverarbeiteten Produkten, die wir beispielsweise als Saucen über den Salat kippen oder als Mahlzeit in der Pfanne erhitzen. Damit sie uns schmecken und länger haltbar sind, werden sie nicht nur mit Zusatzstoffen ergänzt, sondern enthalten oft auch hohe Mengen an Salz, gesättigten Fettsäuren und Zucker.

Das steht zwar in den Nährwerttabellen der Verpackungen. Doch wem bereits die Zeit zum Kochen fehlt, der macht sich auch kaum die Mühe, die klein gedruckten Angaben zu lesen.

Deshalb fordern Ärzte, Gesundheitsbehörden oder Konsumentenschützer eine einfache Kennzeichnung: Wer im Laden steht, soll auf einen Blick sehen, wie gesund ein Produkt als Ganzes ist.

Die halbherzigen Versuche der Lebensmittelindustrie haben sich diesbezüglich als nicht tauglich erwiesen. Sie haben die Angaben auf «Portionen» bezogen, die mit den tatsächlichen Essgewohnheiten nichts zu tun hatten. So isst doch kaum jemand nur wenige Löffel einer Müesli-Mischung oder die Hälfte eines Schoko-Riegels.

Daher ist es kaum erstaunlich, dass das Ampelsystem des Nutri Score viel Zuspruch erfuhr. Fünf Buchstaben – A bis E – leuchten aus fünf unterschiedlichen Farbkreisen und zeigen, wie gesund ein Lebensmittel sein soll. Das dunkelgrüne A verweist auf eine gute Zusammensetzung der Nährwerte, ein rotes E mahnt zur Zurückhaltung. Berechnet wird der Nutri Score anhand der Nährwerttabelle. Pluspunkte gibt es beispielsweise für Proteine oder Nahrungsfasern; negativ ins Gewicht fallen Zucker, gesättigte Fettsäuren oder Salz. Die Bezuggrösse ist stets 100 Gramm.

Zudem stammt der zugrunde liegende Algorithmus aus der Küche der Wissenschaft – und nicht der Ernährungsindustrie. Dies alles spricht für die Lebensmittelampel.

Doch der Nutri Score hat seine Mängel. Das hat ein Selbstversuch mit den eigenen Einkäufen gezeigt (siehe «Schweiz am Wochenende»). Helfen kann die Ampel nur, wenn ähnliche Produkte miteinander verglichen werden. Joghurt mit Joghurt, Müesli mit Müesli. Darüber hinaus führt sie in die Irre. Denn «Grün» bedeutet nicht gesund. Auch wer nur nach dieser Farbe einkauft, kann zum Abendessen eine Fertigpizza verdrücken, deren Krümel mit einer Cola light runterspülen und zum Dessert eine Vanille-Glacé der Migros-Lightmarke Légere futtern.

Die Ampel wägt Konsumenten in falscher Sicherheit.

Dies, weil sich der Nutri Score nur aufgrund der ausgewiesenen Mengenangaben berechnen lässt. Die Hersteller sind etwa nicht verpflichtet, die Menge der verwendeten Zusatzstoffe offen zu legen. Somit fliessen diese nicht in den Nutri Score ein. Dazu gehören auch umstrittene Geschmacksverstärker, künstliche Süss- oder Farbstoffe. Deshalb betonen selbst Befürworter der Lebensmittelampel, dass diese ein gewisses Ernährungswissen voraussetze.

Im besten Fall sorgt die Lebensmittelampel dafür, dass Hersteller ihre Produkte verbessern.

Damit sie aber nicht unfreiwillig Fertigprodukte anpreist, muss der Nutri Score einen Schritt weiter gehen. Der Ernährungsexperte David Fäh plädiert dafür, die Ampel mit der Nova-Klassifikation zu koppeln. Diese teilt die Lebensmittel in ihren Verarbeitungsgrad auf. Das wäre eine Möglichkeit, um die Orientierung im Supermarkt der Möglichkeit weiter zu schärfen. Die Ampel ist ein erster Schritt dafür, nur muss sie noch klarer Farbe bekennen.

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