Jahresrückblick
Nicht die Honorar-Affäre, sondern die bz-Leser beeindruckten am meisten

Nein, diesmal geht es nicht um die Honorar-Affäre, die in den letzten Tagen Thema Nummer eins war. Sondern um zwei kleine Begebenheiten, die zeigen, dass die Hilfsbereitschaft der bz-Leserinnen und -Leser gross ist – auch für Asylbewerber.

Bojan Stula
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Ein Mann in einem Asylbewerberheim liest ein Buch (Symbolbild)

Ein Mann in einem Asylbewerberheim liest ein Buch (Symbolbild)

Keystone

Man könnte ja 2013 aus Baselbieter Sicht unter dem Eindruck der Honorar-Affäre ausklingen lassen. Zweifellos hat kaum ein anderes Thema unsere Leserschaft aus dem Landkanton in den vergangenen 12 Monaten derart aufgewühlt wie die Enthüllung um die angeblich gesetzeswidrigen Verwaltungsratsentschädigungen von Regierungsräten. Darauf lassen zumindest die zahlreichen, teilweise hoch emotionalen Reaktionen schliessen.

Doch genau das wollen wir nicht tun. Weil es erstens nicht repräsentativ wäre für ein Jahr, in dem es im Baselbiet in vielerlei Hinsicht spürbar vorwärtsging. Zweitens, weil es rückblickend genauso wichtige und emotionale, aber umso hoffnungsfrohere Geschichten zu erzählen gab, die sonst nur allzu leicht im Skandalgeschrei untergehen.
Jene von Morteza Farahmand ist so eine. Den Namen des iranischen Dichters aus dem Wohnheim für Asylbewerber in Thürnen habe ich erstmals vor ein paar Wochen gehört, als uns der Liestaler Lehrer und Flüchtlingsbetreuer Christian Pilgram auf die drohende Ausschaffung aufmerksam machte.

Ich habe Morteza Farahmand seither weder getroffen noch mit ihm gesprochen. Ich kenne seine menschlichen Qualitäten überhaupt nicht, seine schriftstellerischen nur marginal. Auch darf man getrost darüber streiten, ob er als Intellektueller eine Vorzugsbehandlung gegenüber «normalen» Asylsuchenden beanspruchen darf.
Es war darum nicht die Sistierung seiner Ausschaffung, die mich so beeindruckt hat, sondern die Reaktion vieler bz-Leserinnen und -Leser. Erfreut berichtete Pilgram wenige Tage später über die grosse Resonanz, die er auf seinen Gastbeitrag über den Iraner erhalten hatte.

Von Geldspenden bis zu Unterbringungsmöglichkeiten reichten die spontanen Hilfsangebote aus den Reihen der Leserschaft. Gerade in der Festtagszeit kann man sich vor schwülstigen Bitte-spenden-Storys kaum retten (obschon es bei Farahmand zu allerletzt ums Geld ging), und ich begnadige jeden, der uns hier des Sozialkitsches bezichtigt: Aber wenn ein banaler Zeitungsartikel eine solch ehrlich gemeinte Hilfsbereitschaft auslöst, dann kann die Welt ein so übler Ort nicht sein.

Der 80-jährige Raymond Bulloni ist auch so einer, der sich tagtäglich dafür einsetzt, dass die Welt ein wenig besser wird. Wenn wir uns für 2014 etwas wünschen dürfen, dann: weniger Honorar-Affären, dafür mehr Pilgrams und Bullonis unter uns.