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Abwahl aus dem Nationalrat: Ein bitterer Abend für die FDP Thurgau

Die Thurgauer FDP hat ihren einzigen Nationalratssitz an die Grünen verloren. Die Serie von Pleiten, Pech und Pannen hat bei den Freisinnigen unterdessen Tradition. Sie wären gut beraten, sich neu zu erfinden.
Christian Kamm
Christian Kamm, stellvertretender Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung»

Christian Kamm, stellvertretender Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung»

Diesen Wahlausgang hatte im Thurgau wohl niemand auf dem Zettel. Die FDP, die mit dem amtierenden Nationalrat Hansjörg Brunner und in einer gut gepolsterten Listenverbindung antreten konnten, verliert ihr einziges Mandat an die Grünen. Die GP Thurgau kann damit nach einer Durststrecke von nicht weniger als 24 Jahren wieder ins Bundeshaus einziehen. Da dürfte das Prädikat «historisch» nicht lange auf sich warten lassen.

Historisch ist umgekehrt auch die Niederlage der einst so stolzen FDP Thurgau. Vor allem der dritte Sitz der SVP wurde im Vorfeld der Wahlen als Wackelkandidat gehandelt. Dass es die FDP erwischen würde, wollten denn auch viele nach der ersten Hochrechnung noch nicht richtig glauben.

Dabei hat die Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei den Freisinnigen unterdessen Tradition. Begonnen hat der Abwärtstrend schon 2011, als die FDP in einem Anflug von Selbstüberschätzung ohne Listenverbindung in die eidgenössischen Wahlen zog und ihren Sitz prompt an die GLP verlor. Diese Scharte konnte sie vier Jahre später zwar wieder auswetzen. Ihr Pech: Der vermeintliche politische Strahlemann und neu gewählte FDP-Nationalrat Hermann Hess entpuppte sich in Bern als Fehlbesetzung. Da fand nicht zusammen, was auch nicht zusammengehörte.

Nach zwei Jahren musste der erfahrene Gewerbepolitiker Hansjörg Brunner übernehmen. Ihm blieb zum einen wenig Zeit zur Profilierung. Gleichzeitig ist er in anderen Politikfeldern blass geblieben. Dazu holte man sich mit dem Listenverbindungspartner SVP auch die EDU ins Bett, die wohl viele liberal Gesinnte abschreckte. Und dass der FDP-Parteipräsident, der die Niederlage jetzt kommentieren musste, ein kürzlich abgewählter Stadtpräsident ist, spricht ebenfalls Bände.

In dieser Situation wären die Thurgauer Freisinnigen gut beraten, sich neu zu erfinden. Weniger verlängerter Arm des Gewerbeverbandes spielen und dafür mehr echtes liberales Profil zeigen – gerade in der Gesellschaftspolitik. Dieser Kanton hat eine Partei mit einem liberalen Gewissen bitter nötig. Dann steht einem Comeback in vier Jahren nichts mehr im Wege.

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