Kommentar
Grossveranstaltungen mitten in der zweiten Welle? Das ist mutig, aber nicht naiv

Das Zürich Film Festival setzte den Startschuss, ab kommender Woche werden wieder Tausende Fussballfans in den Stadien sein. Dies wieder zuzulassen ist zwar ein Wagnis, doch der richtige Entscheid.

Roman Schenkel
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Roman Schenkel

Roman Schenkel

Bild: Sandra Ardizzone

Eigentlich ist es paradox: In der Schweiz sind die Corona-Fallzahlen zuletzt stark gestiegen. Allein in der letzten Woche infizierten sich knapp 3000 Personen mit dem Virus. Und dennoch sind Grossveranstaltungen wieder möglich.

Den Startschuss setzte am Donnerstag das Zurich Film Festival, und schon nächste Woche werden die Stadien wieder mit Tausenden Fussballfans gefüllt sein. Notabene spielt am ersten Oktoberwochenende mit YB, FC Basel und FC St. Gallen just jenes Trio zu Hause, das am meisten Zuschauer anlockt.

Sind die Behörden coronablind geworden? Nehmen die Organisatoren naiv in Kauf, dass ihre Anlässe zu Corona-­Hotspots werden?

Weder noch. Die Organisatoren haben gewissenhaft Schutzkonzepte erarbeitet – es gibt strengere und lockere Regimes. Ein schwelgender Klassikkonzertbesucher ist nicht mit einem tobenden Fussballfan zu vergleichen. Diese Konzepte wurden bewilligt, nun gilt es, sie anzuwenden. Denn Corona, so ist es leider, wird uns noch eine Weile beschäftigen. Es braucht Positivbeispiele, die zeigen, dass im Eventbereich trotz Pandemie nicht alles stillstehen muss.

Dazu braucht es von Organisatoren und Besucherinnen Mut. Sich in ein gut gefülltes Kino zu setzen oder vor dem Stadion in die Warteschlange einzureihen, ist mit dem Mantra «halten Sie Abstand» in den Ohren nicht leicht zu vereinbaren. Doch mit Disziplin und gesundem Menschenverstand kann jeder Einzelne das Risiko einer Ansteckung stark minimieren.