Kommentar

Mann stirbt bei SRF-Doku «Mona Mittendrin»: Das Geschäft mit dem Tod vor laufender Kamera

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie mit der aufgeregten Debatte um die neueste Ausgabe der SRF-People-Doku «Mona Mittendrin» umgegangen werden kann. Ein Kommentar.

Christian Mensch
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Christian Mensch. (Bildquelle: CH Media)

Christian Mensch. (Bildquelle: CH Media)

Entweder sie mündet in eine scharfe Kritik, wie heuchlerisch zwei Boulevardmedien sich pseudomässig kritisieren, um sich geschäftstüchtig Aufmerksamkeit zuzuschanzen. Oder es gilt nüchtern die Frage zu stellen, welche Funktion Boulevardjournalismus in unserer Gesellschaft überhaupt hat.

Um was es geht: Moderatorin Mona Vetsch hat die Basler Berufsfeuerwehr einen Tag lang begleitet. Ein Einsatz führte sie in ein Einkaufszentrum, in dem ein Mann einen Herzstillstand erlitt und nicht reanimiert werden konnte.

Er verstarb und der «Blick» war schon vor der Ausstrahlung in grossen Lettern empört, dass das Sterben vor laufender Kamera erfolgte. Dabei sind die ausgestrahlten Bilder medienethisch problemlos und wären auch zulässig, hätte SRF weniger verpixelt und eine längere Sequenz gezeigt. Doch die vom «Blick» geschürte Aufregung weckte den Anschein, als würde Skandalöses über den Bildschirm flimmern.

Was SRF und das Ringier-Blatt inszenierten, ist eine Hassliebe, wie sie es in der Vergangenheit x-fach eingeübt hatten. Nach allen Regeln der Boulevard-Kunst werden Emotionen geschürt. Es zeugt von seiner Professionalität, wie der «Blick» die Geschichte weitergezogen und herausgefunden hat, dass der Verstorbene als Single und Randständiger eine Medienkarriere hinter sich hatte.

Dieser Voyeurismus ist aus guten Gründen Geschmackssache, er ist jedoch legitim und nicht ohne Nutzen.

Zum Boulevardjournalismus gehört es, zuweilen schmerzhaft nahe bei den Leuten zu sein. Im konkreten Fall auch mit der Kamera draufzuhalten, wenn ein Mensch stirbt. So wie es seine Aufgabe ist, abzubilden, wie sich Menschen in ihrer Integrität angegriffen sehen, wenn ihnen solche Bilder zugemutet werden. Prallen die medial aufbereiteten Positionen aufeinander, verhandelt die Gesellschaft nämlich, was für sie richtig ist und was falsch. Welche moralischen und ethischen Normen gelten, welche nicht. Was ist der Tod in unserer Gesellschaft? Was heisst es, wenn ein Mensch in einer öffentlichen Toilette stirbt?

christian.mensch@chmedia.ch