Polemik
Kritisieren, ohne etwas zu wissen

Eine Polemik über das Rummmeckern - immer und überall.

Martin Probst
Martin Probst
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Stammtisch

Stammtisch

Keystone

Früher konnte man seinen Ärger nur mühsam verbreiten. Vielleicht am Stammtisch oder unter Freunden. Manchmal am Telefon. Doch die Anzahl der Empfänger war begrenzt. Ausser beim Leserbrief. Sofern er gedruckt wurde.

Heute ist das ganz anders. Es geht ruckzuck. Online. Meistens anonym. Einfach einen Kommentar tippen und raus damit in die Welt. Ersichtlich für jede und jeden.

Etwas aber hat sich nicht verändert: Behauptet war und ist etwas schnell – ob es stimmt oder nicht. Nach dem Motto: Hauptsache, gemeckert. Über dies und das, über Mensch und Frass.

So wird jeder und jede zum Restaurant-Kritiker. Oder zum Kriminalstatistiker. Mit Folgen!

In Frankreich wurde jüngst ein Mann zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er online ein Restaurant negativ bewertet hat. Dumm nur: Die Beiz war noch gar nicht eröffnet, als seine Kritik erschienen ist.

Früher wurde am Stammtisch Stimmung gemacht. Heute für alle ersichtlich. Die Leidenden sind die Betroffenen. Es wird zu viel gemeint, ohne etwas zu wissen.

Die meisten Lügen bleiben ungesühnt.