Kommentar
Steigende Immobilienpreise: Neuer Schuldiger für den Boom

Nach dem neuesten Preisschub egalisieren Einfamilienhäuser den bisherigen Allzeitrekord. Schuld sei die Raumplanung, heisst es beim Beratungsbüro Wüest Partner.

Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel
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Die Preise auf dem Immobilienmarkt steigen.

Die Preise auf dem Immobilienmarkt steigen.

Marco2811 - Fotolia

Teurer, teurer und nochmals teurer. So geht das nun schon seit 20 Jahren am schweizerischen Immobilienmarkt. Um die Folgen zu beschreiben, greift das Beratungsbüro Wüest Partner nun zu einem überraschenden Begriff: eine «Zweiklassengesellschaft» werde gefördert. Auf der einen Seite stünden die Eigentümer von Wohnungen und Häusern, die von den billigen Zinsen profitierten. Daneben gebe es die «Nichteigentümer», die je länger, je mehr das Nachsehen hätten.

Überraschend ist nicht nur das Bild. Wüest Partner macht auch einen neuen Schuldigen aus. Nicht anonyme Marktkräfte oder die demografische Alterung sind es, welche die Zinsen senken und so den Boom befeuern. Mitschuldig sei auch die Raumplanung. An ihr wäre es, dafür zu sorgen, dass städtische Räume dichter genutzt werden können und so mehr Wohneigentum da wäre. Das gelinge ihr jedoch derzeit nicht. Vielmehr werde sie aktuell so umgesetzt, dass das Angebot bloss beschränkt werde. So fördere sie die erwähnte Zweiklassengesellschaft – und die immerzu steigenden Immobilienpreise.

Natürlich ist die Raumplanung nicht allein verantwortlich. Das zeigt sich schon daran, dass die Preise in fast allen Industrieländern stark steigen. Doch sie sollte das ihrige tun, um den Preisboom zumindest nicht zu beschleunigen. Die Bevölkerung wollte 2013 das Raumplanungsgesetz revidieren, um den Boden effizienter zu nutzen – nicht um eine «Zweiklassengesellschaft» heranwachsen zu lassen.

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