Kommentar
Nach Merkel droht Instabilität: Warum das auch für die Schweiz keine gute Nachricht ist

16 Jahre hat Angela Merkel regiert, wer nach ihr ins Kanzleramt einzieht, ist nach dem heutigen Wahlsonntag unklar. Der Kommentar zu den Bundestagswahlen in Deutschland.

Christoph Reichmuth
Christoph Reichmuth
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Nach 16 Jahren tritt sie aus dem Rampenlicht zurück: Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Nach 16 Jahren tritt sie aus dem Rampenlicht zurück: Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Friedemann Vogel / EPA

SPD und CDU/CSU liegen gemäss Hochrechnungen nah bei­einander. Die Umfragen der letzten Wochen hatten die Sozialdemokraten noch deutlich vorn gesehen.

Trotzdem dürfen die Genossen jubeln, sie haben ihren jahrelangen Abwärtstrend gestoppt. Das haben sie vor allem ihrem Kandidaten Olaf Scholz zu verdanken, der weniger weit links steht als seine Partei. Die CDU muss dagegen ihr schlechtestes Ergebnis der Geschichte verdauen.

Olaf Scholz und Armin Laschet – beide möchten die Regierung anführen. Beide bräuchten zwei Partner, um stabile Verhältnisse zu bekommen. Das ist die grosse Knacknuss. Kann der Sozialdemokrat die FDP zum Mitmachen in einer grün-roten Regierung überzeugen? Oder lassen die Liberalen die SPD scheitern, um dann mit der ihnen näher stehenden Union in einem Jamaika-Bündnis zusammen mit den Grünen zu regieren, an denen bei der Regierungsbildung kaum ein Weg vorbeiführt?

Deutschland steht vor einer monatelangen Hängepartie. Für die Schweiz ist das keine gute Nachricht. Sie will ihr Verhältnis zu Europa neu regeln und braucht bei ihrem wichtigsten Nachbarn möglichst bald eine voll funktionsfähige Regierung, mit der sich in die Zukunft blicken lässt. Und die gibt es wohl noch längere Zeit nicht.

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