Kommentar
Impfen allein reicht jetzt nicht mehr – leider

Die Zahl der Impfungen reicht nicht um das kommende Szenario unwahrscheinlich zu machen: Die vierte Welle bedroht erneut die Kapazitäten der Spitäler. Der Bundesrat muss zurück zum Plan B.

Sabine Kuster
Sabine Kuster
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Schon damals im Grosseinsatz: Pflegepersonal bei Coronakranken im Kantonsspital St. Gallen am 20. Oktober 2020.

Schon damals im Grosseinsatz: Pflegepersonal bei Coronakranken im Kantonsspital St. Gallen am 20. Oktober 2020.

Bild: Arthur Gamsa

Das Mantra bricht nicht ab. «Lassen Sie sich impfen. Noch heute», hiess es auch am Dienstag von der Corona-Taskforce. Doch es wird immer deutlicher, dass Impfen allein nicht ausreichen wird, um die vierte Welle genug flach zu halten. Setzt sich der Trend so fort, sind die Hospitalisationen spätestens Ende September auf dem Peak vom 30. Oktober des vergangenen Jahres. Also damals, als alle verschiebbaren Operationen verschoben wurden, die Coronastationen aufs Maximum ausgebaut waren und die Intensivbetten (und das Personal dafür!) zurückhaltend verteilt werden mussten.

Zwar kommen nun kaum noch neue Ferienrückkehrer heim, also wird diese Infektionsquelle bald schwächer. Dafür ist in den Schulen wieder Betrieb und von dort aus wird das Virus seinen Weg zur erwachsenen, ungeimpften Bevölkerung finden.

Der Auftritt der Taskforce war nicht mehr nur ein erneuter Weckruf für Impfzögerer. Das Virus verbreitet sich zu schnell: Wer sich nun impfen lässt, erreicht die volle Immunität zu spät, um das Virus genug schnell zu bremsen. Der Bundesrat wird irgendeine Massnahme beschliessen müssen. Falls die Einschränkung alle trifft: Bleiben Sie als Geimpfte cool. Delta ist so ansteckend und der Krankheitsverlauf häufig gefährlicher, dass nicht mal Israel mit seiner höheren Impfquote (63%, Schweiz: 51 %) allein Herr dieser Welle wird. Delta pfeift auf «Normalisierungsphasen».

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