Kommentar
Heisse Phase im Wolfslabor

Wie weiter mit dem Wolf? Das ist eine Frage, die das Land schon länger umtreibt. Doch jetzt gewinnt sie gewaltig an Fahrt. Besonders gilt das für den Kanton Graubünden. Dort treibt das Beverin-Rudel sein Unwesen.

Dominic Wirth
Dominic Wirth
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Ein Wolf – wohl M92, das Leittier des Beverin-Rudels – transportiert ein gerissenes Reh.

Ein Wolf – wohl M92, das Leittier des Beverin-Rudels – transportiert ein gerissenes Reh.

Um die Akzeptanz des Wolfs in Graubünden stand es schon besser als in diesen Tagen, wobei es seit einiger Zeit nur eine Richtung gibt: abwärts. Die Bündner hätten gerne den Leitrüden des Beverin-Rudels in Visier genommen. Der Bund will das nicht zulassen, weil die strengen gesetzlichen Kriterien nicht erfüllt sind. Das ist ein richtiger Entscheid. Gesetze müssen befolgt werden. Und das Volk hat erst vor einem Jahr eine Revision des Jagdgesetzes abgelehnt – und so klar gemacht, dass es kein aktiveres Wolfsmanagement will. Sprich: keine präventiven Abschüsse anstelle von erzieherischen Eingriffen.

Das soll aber nicht heissen, dass das auf ewig so bleibt. Die Befürworter des Jagdgesetzes hatten im Abstimmungskampf argumentiert, dass die Konflikte zunehmen werden. Was das heisst, kann man in Graubünden beobachten. Es könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was auch andere Kantone erwartet. Graubünden ist das Wolfslabor in einem Land, das immer noch herumpröbelt, wie es mit dem Wildtier am besten umgehen soll. Die Wolfspolitik steht vor einer entscheidenden Phase. Kann man Wölfe wirklich erziehen? Bringen gezielte Abschüsse des Nachwuchses etwas? Oder braucht es zuweilen gröberes Geschütz? Graubünden wird Antworten liefern.

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