Kommentar
Die Preiserhöhung bei der Post ist notwendig, weil die Politik ignoriert, was der Staatsbetrieb braucht

Betriebswirtschaftlich ergibt der Preisaufschlag für A- und B-Post Sinn. Doch bei der Post darf es nicht um den Gewinn gehen, hier muss die Politik die Rahmenbedingungen definieren.

Florence Vuichard
Florence Vuichard
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Ab Januar 2022 wird es teurer, einen Brief zu verschicken.

Ab Januar 2022 wird es teurer, einen Brief zu verschicken.

Benjamin Manser

Neue und höhere Gebühren für das gelbe Konto, Negativzinsen für wenig lukrative Sparkunden, massiv reduzierte Leerungszeiten beim Briefkasten im Quartier – und jetzt noch Preiserhöhungen bei der A- und B-Post. Die Botschaft, welche die Post in den letzten Monaten ausgesandt hat, ist klar: Sie baut ab bei den Leistungen und aus beim Geldeintreiben.

Betriebswirtschaftlich mag das alles ganz sinnvoll sein. Denn die Post hat in der Tat ein Ertragsproblem: Sie ist in den letzten Jahren vom wachsenden, rentablen Vorzeigebundesbetrieb zu einem wenig profitablen Schrumpf­konzern mutiert. Die einstigen Ein­nahmequellen sind versiegt, die Post­finance ist selber zu einem Sanierungsfall geworden, die Briefpost kämpft mit markanten Mengenrückgängen.

Doch betriebswirtschaftliche Kriterien greifen hier zu kurz, schliesslich ist die Post nicht einfach eine Aktiengesellschaft, sondern eben auch ein Staatskonzern, dessen Handlungsspielraum letztlich von der Politik vorgegeben wird und auch vorgegeben werden muss.

Und genau hier liegt das Problem: Die Politik ignoriert das sich radikal veränderte Marktumfeld, in welchem die Post und die Postfinance feststecken. Sie weigert sich standhaft, die dringend notwendige Grundsatzdebatte zu führen, wie die postalische Grundversorgung der Zukunft aussehen soll und wie diese zu bezahlen ist. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, hat auch die Post wieder eine Zukunft.

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