KOMMENTAR
Das Volk hat die kleinen Ostschweizer Landspitäler längst aufgegeben

Braucht es in Appenzell und Wattwil noch ein Akutspital? Die Frage ist gestellt. Doch die Antwort ist im Grunde schon da.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Spital Heiden, Wochenbett.

Spital Heiden, Wochenbett.

Bild: PD

Spital Rorschach: geschlossen. Spital Flawil: ab Sommer geschlossen. Spital Heiden: ab Januar geschlossen. Das Sterben der Landspitäler beschleunigt sich. Traurig für die Mitarbeitenden, die ihre Stellen verlieren.

Volkswirtschaftlich gesehen jedoch der einzig richtige Weg.

Die Zeiten, in denen jedes Täli sein Spitäli hatte, sind vorbei. Nicht mehr finanzierbar.

In zwei Ostschweizer Kantonen stehen Abstimmungen an. Innerrhoden befindet in einer Woche über die Zukunft seines Spitals. St. Gallen besiegelt am 13. Juni das Schicksal des Spitals in Wattwil. Im Grunde aber hat die Bevölkerung ihre Todesurteile längst gefällt.

Eine erstmalige, detaillierte Auswertung der Patientenströme zeigt: Die Menschen gehen, sobald sie von einem hartnäckigen Leiden geplagt werden, lieber in ein grösseres öffentliches oder ein spezialisiertes Privatspital, da es dort bessere Fachärzte gibt. Zudem nimmt die Zahl der ambulanten Behandlungen zu.

Auch wenn es auf der Strasse anders tönt: Viele Innerrhoder, Rheintalerinnen, Toggenburger machen einen grossen Bogen um ihr Lokalspital. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, spielt regionalpolitische Nostalgie keine Rolle.

Weniger ist mehr. Oder wie es der Ausserrhoder SP-Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer sagt: Um die mittelgrossen Spitäler zu retten, müssen wir jetzt die Kleinen schliessen.