KOMMENTAR
Bodenseeregion: Die Ostschweiz sollte Anwältin dieser EU im Kleinen werden

Die Bodenseeregion mit ihren drei Anrainerstaaten Schweiz, Österreich und Deutschland ist eine EU in Kleinformat. Was ihr fehlt, ist eine politische Lobby in den Hauptstädten. Die Ostschweizer Kantone sollten diese Aufgabe entschlossener übernehmen als bisher.

Stefan Schmid
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Sonnenuntergang über der Bucht von Rorschach.

Sonnenuntergang über der Bucht von Rorschach.

Tagblatt

Mit der heutigen Ausgabe beendet die «Tagblatt»-Redaktion den Bodensee-Sommer. Neun Wochen lang haben wir den See und seine Anwohnerinnen und Anwohner in den verschiedensten Facetten journalistisch beleuchtet.

Wir besuchten die Nudisten in Hard, erinnerten an das Bombardement von Friedrichshafen, tauchten ab in den See und stellten die schönsten Strandbars vor, die sich zu besuchen lohnen.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass die drei Länder am See zusammengewachsen sind, wie ähnlich die Menschen hüben wie drüben ticken, wie sehr sie sich mit ihrer Heimat verbunden fühlen. Die Euregio Bodensee lebt.

Die Region sei «mehr verflochten als gedacht», aber «weniger verflochten als gewünscht», hielten Uni St. Gallen und Fachhochschule Graubünden zuhanden der Ostschweizer Regierungskonferenz vor wenigen Tagen fest. Gerade auch mit Blick auf die pandemiebedingte Grenzschliessung von 2020 sei den Ostschweizer Kantonen empfohlen, sich auf nationaler Ebene stärker für die Grenzregion am See einzusetzen. Zusätzlich soll der grenzüberschreitende Dialog weiter gefördert werden.

Regierungen und Studienautoren sind sich einig:

Die Grenzen müssten in künftigen Krisen offen bleiben, gerade die Ostschweiz als exportorientierte Industrieregion sei auf Durchlässigkeit und regen Austausch angewiesen.

Schön, werden diese Binsenwahrheiten wieder einmal festgehalten. Noch besser wäre es nun freilich, wenn sich unsere Politikerinnen und Politiker in Bern und anderswo nachhaltig und prospektiv für die Euregio Bodensee, diese EU in Kleinformat, einsetzen täten.

Als es im Frühling darum ging, innenpolitischen Druck für ein Abkommen mit der EU aufzubauen, schaltete sich zwar die Ostschweizer Wirtschaft in die Debatte ein und wies auf den existenziellen Wert der bilateralen Verträge hin. Von den Ostschweizer Regierungen hörte man indes nichts.

Kein Regierungsrat, der sich für ein Abkommen mit der EU eingesetzt hätte. Ein Versäumnis.

Wer, wenn nicht die Ostschweiz, sollte sich in Bern als Anwältin für ein intaktes und intensives Verhältnis zu unseren Nachbarn betätigen? Unsere tägliche Erfahrung zeigt nämlich: Gemeinsam sind wir stärker.

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Tek Berhe

Warum hat sich die Regio Basel anders entwickelt als die Bodensee-Region? Die chemische Industrie war sicher ein wesentlicher Faktor. Man ging schon immer ‚schnell‘ nach St. Louis, Lörrach oder eben Basel. Sicher hat auch Basel als Zentrum sein Teil dazu beigetragen. Man kann die Verbrüderung am Bodensee nicht anordnen oder herbeischreiben. Man kann aber die Grenzen verschwimmen lassen. Z.B. den Seehas als Bodensee S-Bahn ausbauen und die Verbindungslpcken schliessen. Vor allem in den Randzeiten. Was gehört eigentlich zum Lebensraum? Abstand zum Bodensee? Gehört die Stadt St. Gallen wirklich dazu?

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