Polemik
Keine Angst vor dieser Mode

Steht in Sachen Mode ein Revival der 70er Jahre an? Gut möglich. Doch was damals mit der Mode mitschwang, nämlich Ressentiments gegen das Establishment und eigentlich gegen alle Normen, lässt sich nicht so einfach wiederbeleben.

Sabine Altorfer
Sabine Altorfer
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Stilbewusste Besucher am trendigen Coachella-Festival in Kalifornien.

Stilbewusste Besucher am trendigen Coachella-Festival in Kalifornien.

Keystone

Die Modetrends für Frühjahr und Sommer sind in diesem Jahr so unklar wie stets in letzter Zeit. Safari- und Armeelook werden propagiert, gleichzeitig aber auch nette Blumenprints und – welch Erheiterung – ein Revival der 70er-Jahre. Da grinse ich innerlich. Denn die habe ich erlebt.

Es gab da ein bisschen schicke, geometrische Muster gerade aus der Op-Art entsprungen, aber sonst viel Orange, Braun und überhaupt und vor allem Farbe. Denn 70er-Jahre hiess Hippie-Zeit, Flower-Power für alle. Die Kleider schlabberten und wallten und leuchteten in allen Tönen. Mann und Frau gaben sich offenherzig, experimentierfreudig, und die Haare der Männer waren richtig lang.

Eigentlich war es eine Nicht-Mode, eine Anti-Mode, die damals Mode wurde. Und Anti war auch das Signal, das diese Mode aussandte. Man war dagegen. Grundsätzlich. Gegen das Business, gegen das bürgerliche Establishment, gegen die Leistungsgesellschaft, gegen Normen allerart. Wer nun die nächste Revolution fürchtet, kann sich beruhigen. Heute bringen Kleider, bringt ein Modetrend die Welt nicht mehr durcheinander. Eigentlich schade.

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