Kommentar

Verbot von Grossanlässen wegen Corona-Virus: Kantönligeist ist hier fehl am Platz

Rolf Cavalli über den Entscheid des Bundesrats, alle Events ab 1000 Personen zu verbieten.

Rolf Cavalli
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Ein generelles Veranstaltungsverbot ab 1000 Personen soll das Corona-Virus stoppen. Für seine drastische Massnahme bekam Gesundheitsminister Alain Berset vorwiegend Lob. Sogar die Betroffenen reagierten zwar enttäuscht, aber mehrheitlich mit Verständnis. Die Gesundheit der Bevölkerung geht vor.

Doch bereits am Wochenende zeigte sich: Der Bundesrat hat seinen Entscheid nicht zu Ende gedacht. Indem er die Regelung für mittlere Anlässe bis 1000 Personen den Kantonen überlässt, sorgte er eher für Chaos statt Klarheit. Jeder Kanton musste innert Stunden autonom beschliessen und kommunizieren, wie er die Risikoabwägung handhaben will. Die Folge: Es gibt fast so viele Regelungen wie Kantone. Für die Ausbreitung des Corona-Virus ist es wahrscheinlich sekundär, ob eine Veranstaltung ab 100 oder 200 Personen bewilligungspflichtig oder verboten wird. Aber für die Zuständigen in den Kantonen und die Betroffenen wie Sportverbände, die allein am Wochenende 8000 Fussballspiele absagen mussten, ist die uneinheitliche Praxis ein Graus.

«Wir lernen jeden Tag dazu», sagt Berset. Es ist darum richtig, dass der Bund nachträglich versucht, die Massnahmen zu vereinheitlichen. Mit dem neuen Epidemiegesetz wurden weitreichende Kompetenzen von den Kantonen an den Bundesrat übertragen. Er soll diese jetzt auch nutzen. Der Föderalismus ist grundsätzlich hochzuhalten. Beim Corona-Virus ist der Kantönligeist indes fehl am Platz.