Polemik
# Je suis Ronnie

Letzte Woche entzog die Bundeskanzlei dem Blogger Ronnie Grob die Akkreditierung fürs Bundeshaus. Der Aufschrei war gewaltig. Die Branche müsste aber auch ihre einhellige Empörung bei anderer Gelegenheit äussern.

Benno Tuchschmid
Benno Tuchschmid
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Journalist Ronnie Grob verärgert mit seinem ehrlichen Erlebnisbericht aus der grossen Kammer die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé.jpg

Journalist Ronnie Grob verärgert mit seinem ehrlichen Erlebnisbericht aus der grossen Kammer die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé.jpg

Nordwestschweiz

Letzte Woche entzog die Bundeskanzlei dem Blogger Ronnie Grob die Akkreditierung fürs Bundeshaus. Er hatte mit seinem Handy Bilder geschossen, die beweisen, dass Nationalrätin Chantal Galladé und ihre Kollegen der Debatte im Nationalrat nicht folgen. Und er enthüllte, dass es sehr, sehr laut ist im Bundeshaus.

Er bewies, was alle wussten. Ist das strafbar? Nein, höchstens langweilig. Und es hätte auch niemanden interessiert, wäre der Bundeskanzlei nicht dermassen an der Durchsetzung eines Paragrafen gelegen, dessen Nichteinhaltung sich jeder Foto twitternde Nationalrat schuldig macht.

Der Aufschrei war aber auch unter den Journalisten gewaltig. Eine Welle der Solidarität brandete Ronnie Grob entgegen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch ich bin froh, dass Grob wohl bald wieder ins Parlament darf. Die Chancen sind intakt, dass dabei Spannenderes rauskommt.

Was ich mir aber vor allem wünsche: dass die Branche ihre einhellige Empörung auch bei anderer Gelegenheit äussert. Zum Beispiel, wenn in irgendeiner Redaktion wieder Journalisten mit Schrauben verwechselt und wegrationalisiert werden. Dann schweigt es nämlich meist im Twitterwald.