Fahrländer
Ist kantonale Politik einfach zu langweilig?

Die Wiedererstarkung des Freisinns nach einer langen Abwärtsbewegung und die tiefe Stimmbeteiligung. Die ersten Ausmarchungen des Wahljahrs 2015 haben stattgefunden.

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
Drucken
Teilen
Kantonale Politik im Aargau: Der Grosse Rat in Aarau

Kantonale Politik im Aargau: Der Grosse Rat in Aarau

Sandra Ardizzone

Die ersten Ausmarchungen des Wahljahrs 2015 haben stattgefunden, im Februar in Baselland, vor einer Woche in Luzern. Die Medien sind sich einig, dass sie (plus jene in einer Woche in Zürich) «Signalwirkung» für die eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober haben. Zwei Themen wurden dabei verschiedentlich aufgegriffen: die Wiedererstarkung des Freisinns nach einer langen Abwärtsbewegung – und die tiefe Stimmbeteiligung.

Für die FDP-Erfolge kursieren zwei Deutungen. Die eine: Die FDP bewirtschafte gut aktuell brennende Themen. Die andere: Die FDP sei wieder näher zum Volk gerückt, politisiere weniger abgehoben.

Wenn die zweite Deutung zutrifft, hat die Partei dem Präsidenten, «unserem» Philipp Müller, viel zu verdanken. Für diese neue Volksnähe steht er fast allein (das übrige Personal wurde ja noch nicht gross ausgewechselt). Sein Auftreten und seine Voten waren meistens verständlich, differenziert, gut. Nur selten etwas gar hemdsärmelig.

Zum zweiten Thema, dem geringen Interesse an kantonalen Politik-Angelegenheiten. Im Aargau kennen wir dieses Phänomen schon lange. Die nationale Ebene – das sind Emotionen, die «Arena» am Freitagabend, Blocher und der Rest der Schweiz.

Die kommunale Ebene, die Stadt, das Dorf – das sind persönliche Betroffenheiten, die Strasse vor meinem Haus wird ausgebaut und schon wieder sollen die Steuern steigen.

Aber die kantonale Ebene, wozu ist die eigentlich da? Bei uns im Aargau kommt eine – wenngleich ungeschriebene, nicht gesetzeswirksame – Ebene dazu: die Region. Man ist Aarauer, Badener, Fricktaler, Freiämter. Aber Aargauer? Eigentlich geht es ganz gut ohne.

Hier wird natürlich die Ansicht vertreten: Die kantonale Ebene ist wichtig! Wie verschafft man ihr mehr Beachtung? Müsste man mehr Lärm um sie machen? Oder die persönliche Betroffenheit erhöhen?

Das erste Rezept ist kaum zielführend – und das zweite, die Betroffenheit, kann man nicht herbeizwingen. Was kantonal zu regeln ist, bestimmt das Gesetz. Ein Tipp an die Politik: Leerläufe vermeiden und oft mit den Leuten reden. Und einer ans Volk: Im Herbst gutes Personal wählen. Vielleicht hilft das.

Aktuelle Nachrichten