Kommentar

Schweizer Börse hebt trotz Coronakrise ab: Jetzt tanzen die Investoren auf dem Vulkan

Der Swiss Market Index steigt scheinbar unbeeindruckt von der Coronakise über die Marke von 10'000 Punkten. Die unerschütterliche Zuversicht hat sich bislang für die Anleger als Strategie ausbezahlt - doch das muss nicht so bleiben.

Daniel Zulauf
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Auf den Finanzmärkten soll man tanzen, solange die Musik spielt. Mit diesem Rat an die Leser der Zeitung «Financial Times» erlangte Charles Prince, der Ex-Chef der Citigroup zweifelhafte Berühmtheit. Er hatte sich just im Juli 2007 zu dieser Aussage verstiegen, also unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise und damit im denkbar dümmsten Zeitpunkt.

Rückblickend erscheint die Fehleinschätzung weit weniger schlimm als in der dunklen Zeit, in der sie um die Welt gegangen war. Aus dem sechsjährigen Börsenboom, die dem Crash 2008 und 2009 vorausgegangen war, blieben vielen Investoren immer noch ausreichende Gewinne übrig.

Tatsächlich werden die Phasen ­steigender Börsenkurse seit den 1970er-Jahren länger, die Phasen sinkender Kurse hingegen kürzer und steiler. Gleichzeitig hat sich der positive Saldo eines Zyklus vervielfacht.

Dieses Muster wird extremer, was gerade durch die schnelle Börsenerholung nach dem Coronacrash bestätigt wird. Trotz Jahrhundertrezession ist der Swiss Market Index nur noch rund zehn Prozent vom Rekordhoch entfernt. Doch der Preis dieser nie enden wollenden Party ist hoch. Notenbanken und Regierungen haben die finale Verantwortung für die Steuerung der Konjunktur übernommen und die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft ausgehebelt. Die Folgen dieser Entwicklung sind nicht absehbar – auch nicht für die vermeintlichen Retter. Klar ist nur: Die Investoren tanzen auf dem Vulkan.

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