Immunität
Studie aus Berlin zeigt, dass 40 Prozent der Über-70-Jährigen eine Booster-Impfung nötig hätten

Forscher der Charité in Berlin um Christian Drosten haben untersucht, wie lange die Immunität der Senioren anhält. Der Unterschied zu jüngeren Personen ist frappant.

Sabine Kuster
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Forschende um den Virologen Christian Drosten untersuchten die Immunantwort von älteren gegenüber jüngeren Leuten.

Forschende um den Virologen Christian Drosten untersuchten die Immunantwort von älteren gegenüber jüngeren Leuten.

Keystone

Der Ruf nach einer Booster-Impfung wird immer lauter. Eine neue Studie der Charité in Berlin, die am Mittwoch erschien, zeigt nun, dass es tatsächlich fast nur die über 70-Jährigen sind, die nach einem halben Jahr nicht mehr genug geschützt sind.

Das Antikörper im Blut nach einer Impfung oder Infektion in den ersten Monaten wieder abnehmen, ist nicht nur von den Corona-Impfungen oder natürlichen Infektionen bekannt. Der Körper geht haushälterisch mit der Immunabwehr um. Wichtig ist daher, was nach rund einem halben Jahr noch da ist.

Die Forscher um P. Tober-Lau, T. Schwarz, K. Vanshylla und D. Hillus untersuchten die Immunantwort von 80 über-70-Jährigen und verglichen sie mit jener von 107 jüngeren Angestellten im Gesundheitssektor, deren Median-Alter lag bei 35 Jahren. Dabei zeigte sich, dass die Impfung in den älteren Personen eine deutlich weniger lang andauernde Immunantwort aufgebaut hatte.

Bei den Jüngeren hatten fast alle noch Antikörper

39 Prozent der Älteren hatten nach einem halben Jahr, nachdem sie mit Biontech/Pfizer geimpft worden waren keine neutralisierenden Antikörper gegen Delta mehr im Blut. Und ihr immunologisches Gedächtnis der T-Zellen-Antwort war reduziert. Dem gegenüber war in fast allen der jungen Studienteilnehmern noch Antikörper nachweisbar.

Die Immunantwort gegenüber der Delta-Variante war dabei leicht schwächer als gegenüber Alpha. Nicht untersucht wurde die aufgebaute Abwehr der B-Gedächtniszellen nach der Impfung. Doch die Autoren schreiben: «Angesichts dessen, dass selbst in Ländern mit hoher Durchimpfungsrate wie Israel die Hospitalisationen wieder steigen und der starken Evidenz, dass der Impfschutz in älteren Personen schwindet, sehen wir unsere aktuellen Daten als Argument die Booster-Impfungen in dieser Bevölkerungsgruppe zu unterstützen.»

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