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Im Schatten des ökonomischen Erfolgs

Die Zeche für die Auswanderung von Fachkräften zahlen vor allem die Staaten im Osten Europas. Langfristig wird diese Entwicklung auch der (restlichen) EU vermehrt Probleme bereiten.
Sasa Rasic
Sasa Rasic

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Die Personenfreizügigkeit in der EU bringt die strukturschwächeren Staaten wirtschaftlich voran. So ist etwa in Rumänien das Bruttoinlandprodukt pro Kopf seit 2007 um 43 Prozent auf 6500 Euro gestiegen. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Polen und Bulgarien zu beobachten. Doch der Wegzug der eigenen Bürger hat auch seinen Preis. Denn wirtschaftlich fehlen vor allem die gut (und vom Staat teilweise teuer) ausgebildeten Fachkräfte im eigenen Land – als Paradebeispiel dafür gelten Ärzte. Die grösste Zeche dafür zahlen in den Staaten selbst wiederum ländliche Gebiete mit der eigenen Ausdünnung. Denn der Migrationszyklus lautet in der Regel: Städter zügeln ins Ausland und ihren Platz nehmen Personen aus Randgebieten ein (siehe Artikel auf Seite 9). Vor allem bei kleineren Ländern kann dies existenzielle Folgen haben. So zeigen aktuelle Zahlen der Weltbank, dass unter den weltweit am schnellsten schrumpfenden Bevölkerungen zwei EU-Länder die Schlusslichter bilden: Litauen (1,4 Prozent) und Kroatien (1,2 Prozent).

Wenig Beachtung finden im Schatten des ökonomischen Erfolgs jedoch die politischen Konsequenzen für die Emigrationsländer (in den Einwanderungsländern mangelt es ja nicht an Debatten). Am besten auf den Punkt bringt den Gedanken der bulgarische Politologe, der das Phänomen als einer der wenigen thematisiert: «Es ist einfacher, nach Deutschland zu gehen, als dafür zu sorgen, dass Bulgarien funktioniert wie Deutschland.» Denn jüngere Personen, die den Grossteil der mobilen Arbeiterschaft ­ausmachen, fehlen nicht nur der heimischen Wirtschaft. Das beschwerliche und oft auch gefährliche Vorgehen gegen Probleme wie Klientelismus, Korruption oder allgemein Fehlentwicklungen wird angesichts der Auswanderungsmöglichkeit zur Option statt zur Notwendigkeit. Nicht nur der höhere Lebensstandard lockt, sondern auch die Option, in einem «ordentlichen» Staat zu leben.

Langfristig wird diese Entwicklung auch der (restlichen) EU vermehrt Probleme bereiten. Denn es scheint kaum ein Zufall zu sein, dass eine gehörige Portion des «Ungehorsams» innerhalb der EU in letzter Zeit aus osteuropäischen Staaten wie etwa Polen stammt.

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