Kommentar
Im Gleichschritt gegen die Chaoten

Der Entscheid der Swiss Football League, mit Kameras in und um die Stadien Gewalttäter besser identifizieren und sanktionieren zu können, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch wenn es funktionieren soll, müssen alle an einem Strang ziehen.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Gewaltbereite Fans sollen künftig besser identifiziert werden.

Gewaltbereite Fans sollen künftig besser identifiziert werden.

Keystone

Wie der Tango funktioniert auch der Kampf gegen die Fussball-Chaoten nicht allein. Die jüngste Massnahme der Swiss Football League, mit versteckten Kameras die Gewalttäter besser identifizieren zu können, ist ein Schritt zur gemeinsamen Lösung des Problems. Denn nur, wenn Liga, Klubs, Polizei und Strafbehörden zusammenspannen, besteht die Hoffnung, die Krawallmacher von der schönsten Nebensache der Welt nachhaltig auszusperren.

Zu Unrecht wurde den Fussballern eine Komplizenschaft mit den Chaoten vorgeworfen, weil sie sich gegen das Hooligan-Konkordat gewehrt haben. Zu lange blockierten vor allem bürgerliche Politiker mit ihrer Symptombekämpfung wie die Aufhebung der Transportpflicht den Weg zum lösungsorientierten Ansatz.

Die Fussballer haben sich bewegt. Nun sollten sie auch die letzten Zweifler, die ihnen eine Fraternisierung mit den Chaoten andichten, von ihren hehren Absichten überzeugt haben. Damit kommt die Gewaltspirale im Fussball aber nicht zwangsläufig zum Stillstand. Denn nun stehen Polizei und Strafbehörden in der Pflicht, den nächsten Schritt zu machen. Sie müssen den Steilpass der Fussballer verwerten. Sie müssen zum Abschluss bringen, was ihnen die Fussballer mit den Videoaufzeichnungen von Gewalttaten servieren.

Aber das bedingt ein Umdenken bei der Polizei. So, wie sie zuletzt in Aarau aufgetreten ist, wo etliche Unbeteiligte aufgehalten, festgehalten und weggewiesen worden sind, ist sie weder vertrauensbildend noch konstruktiv. Nein, die Polizei und die Strafbehörden müssen ihre Energie jenen Elementen widmen, die den Fussball als rechtsfreie Bühne missbrauchen. Denn die Mittel zur Bestrafung der Täter sind vorhanden.

Dass derzeit weniger als zehn Personen die Pflicht haben, sich während der Spiele ihres Klubs bei der Polizei zu melden, lässt den Schluss zu, als sei die Schweizer Fussballszene eine Oase des Friedens. Das ist sie nicht. Aber sie kann friedlicher werden, wenn Polizei und Strafbehörden die Aufforderung der Fussballer zum Tango annehmen.

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