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Kommentar

HSG-Spesenaffären: Nun geht es darum, Integrität zu leben statt zu predigen

Es ist zu früh, zu beurteilen, ob sich die Universität von laschen Spesenabrechnungen und überbordenden Honorarrechnungen endgültig verabschiedet hat. Ein neues Spesenreglement kann zwar helfen, Verhaltensweisen zu bessern. Die Hauptarbeit aber liegt bei den Mitarbeitenden der Universität selber – und der Art und Weise, wie sie ihr Wertesystem künftig leben wollen.
Odilia Hiller
Odilia Hiller. (Bild: Michel Canonica)

Odilia Hiller. (Bild: Michel Canonica)

«Sind Sie jetzt zufrieden»?, fragt der Fernsehreporter im Anschluss an die Medienkonferenz. Mit «Sie» meint er das «Tagblatt» und die Journalistinnen und Journalisten, welche die Unregelmässigkeiten rund um Spesen, Honorare und Nebentätigkeiten im Jahr 2019 an die Öffentlichkeit gebracht hatten. Hat die HSG jetzt genug getan? Die Antwort darauf ist simpel: Es ist zu früh, um dies zu beurteilen.

Begrüssenswert ist, dass die Institution im Auftrag des Universitätsrats Sonderprüfungen an sämtlichen Instituten der Universität durchgeführt hat. Löblich auch, dass die Verantwortlichen einräumen, dass «bürokratische Details» in den vergangenen Jahren im Zuge des rasanten Wachstums der Institution zuweilen vergessen gingen. Aus Sicht der Verantwortlichen geht es nun um Schadensbegrenzung und die Wiederherstellung von verlorenem Vertrauen in die HSG, die sich «Good Governance» – das gute Führen - in so dicken Lettern auf die Fahne schreibt.

Auf dem Rosenberg glaubte man, vor Kritik gefeit zu sein

Zuallerletzt spielt es nun eine Rolle, ob das «Tagblatt» zufrieden ist. Die Tatsache, dass die Affären um die lasche Vergütungspraxis die Universität und ihre Mitarbeitenden in ihren Grundfesten zu erschüttern vermochten, zeigt vor allem eines: Wie lange man auf dem Rosenberg davon ausgegangen war, aufgrund des Renommees und der erbrachten aussergewöhnlichen Leistungen vor jeglicher Kritik gefeit zu sein. Noch lange nach Bekanntwerden der Unregelmässigkeiten war aus Universitätskreisen zu hören, wie kleingeistig und undankbar es doch sei, diese Fragen als Aussenstehende überhaupt zu stellen.

Hier gilt es noch einmal festzuhalten: Es brauchte viel, es brauchte sehr lange und es brauchte nicht zuletzt diese Zeitung, die nicht locker liess, bis nicht nur seitens des Universitätsrats und seines Präsidenten Stefan Kölliker Handlungsbedarf eingeräumt wurde, sondern auch seitens der Universitätsleitung. Das Rektorat ging mehrere Monate auf Tauchstation, bis es sich erstmals auch nur halb zu den Vorgängen äusserte. Bis dahin hiess es: kein Anschluss unter dieser Leitung.

Das Minimum ist nun getan

Im Lichte dieser späten Einsichten sollte die Universität sich nun davor hüten, sich gleich schon wieder zur Speerspitze in Sachen progressiver Spesenreglemente hochzustilisieren. Was bisher getan wurde, um die leidigen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, ist das schiere Minimum dessen, was erwartet werden konnte. Das Auftauchen eines weiteren, möglicherweise schweren Missbrauchsfalles beweist dies ebenfalls.

Ist nun alles gut? Ein verschärftes Spesenreglement garantiert für einiges, aber nicht für das Wichtigste: die Einsicht aller Mitarbeitenden der Universität, dass Integrität, Anstand und Demut Teil des Wertesystems sind, das diese Institution leben sollte. Und nicht nur predigen.

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