Hüsnü hilft
Heute: Was tun wann Loite haben Angst

Hüsnü Haydaroglu ist Call-Center-Agent und lebt in Pratteln. In seiner Freizeit berät er Menschen. Gerüchten zufolge ist er mit der Autorin und Filmerin Güzin Kar verwandt. Heute hilft er Ruth aus Basel.

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Hüsnü erklärt heute was man tun kann wenn Leute Angst haben. Er selbst beispielsweise freundet sich über den Balkon mit seinen Nachbarn an. (Symbolbild)

Hüsnü erklärt heute was man tun kann wenn Leute Angst haben. Er selbst beispielsweise freundet sich über den Balkon mit seinen Nachbarn an. (Symbolbild)

Keystone

Lieber Hüsnü, die Weltlage macht mir so grosse Angst, dass ich nicht mehr aus dem Haus gehe. Ich befürchte, dass da draussen irgend ein Irrer ein Attentat verüben, oder dass einer Amok laufen könnte. Was können wir in solchen Zeiten tun, ausser uns einzuschliessen?

Ruth, 52, Basel

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Oho, liebe Frau Ruth

hast du genau dem richtige Person gefunden zum Sprechen über diese Sache. Mach ich am Abend genau gleiche wie du. Komm ich nach Hause, werfe ich dem Schuhe im eine Ecke, nehme ich eine Bier oder zwei und sitze ich auf meine Sofa und binich zufrieden. Manchmal, ich sitze auch auf der Balkon und nachdenke ich über alles und schaue ich, was passiert unten im Strasse. Gibt es nur eine Problem: Wann mein Nachbarin, wo hat Angst viel Angst vom mir, geht unten auf der Strasse vorbei.

Dann ich renne sofort hinein und mach ich dem Balkontüre zu. Aber sie hat mir schon gesehen, und weil sie glaubt, ich esse dem Hünde, nehmt sie ihre Hund im Arm und ruft zu mir: «Hab ich dich genau gesehen, du anatolische Esel mit Schnauz. Hast du keine Arbeit und sitzt du ganze Tag auf deine Balkon zum Hünde und Frauen schauen? Wegem Loite wie du ich kann nicht mehr im Strasse gehen.»

Sie denkt, bin ich böse Mensch. Und ich denke, sie ist traurige Mensch. Einemal sie legt eine Brief in meine Briefkasten: «Guten Tag, Herr Hüsnü. Hier ist der Fremdenpolizei und der Sozialamt. Sie arbeiten gar nie, und essen Sie ganze Sozialgeld und fremde Hünde. Wir möchten Sie Ausschaffung machen im eine Land, wo ist hoffentlich weit weg.»

Dann ich lege eine Antwort im Briefkasten vom Frau Nachbarin, wo sagt: «Guten Tag, liebe Frau Nachbarin, arbeite ich viel im Call Center, bezahle meine Bier selber. Aber wann stört zu Ihnen meine Gesicht und meine Schnauz, ich kann weggehen, im eine Land, wo gibt es Sonne, Meer und frische Hünde vom Grill».

Dann ich schaue, wie lest sie dem Brief und explodiert fast vom Wüt. So kann man sagen, mein Nachbarin und ich gehen nicht so gern auf der Strasse oder der Balkon, wann der andere ist auch da. Besser wir bleiben im unsere Wohnungen und haben allein Angst. Natürlich beide haben wir manchmal Besuch. Ich vom meine Froind Hanspeter, wo wohnt im Dietlikon, oder vom eine frauliche Bekanntschaft. Wann mein Nachbarin seht, dass ich habe Frauenbesuche, sie steht mit eine Plakat auf ihre Balkon, wo steht: «Achtung! Vergewaltigung!». Dann ich hole meine Plakat, so sagt: «Nein, nur Pizza und Rotwein!»

Manchmal ich träume, wir beide stehen auf der Balkon und erzählen wir mit Plakaten unsere Geschichten. Ich frage: «Warum hast du so viel Angst, Frau Nachbarin?», und sie schreibt: «War ich nicht immer so. Aber jemand hat mir weh gemachen.» Dann ich schreibe: «Okey. Kommst du hier zum Pizza essen und reden.», und sie schreibt: «Ja, gerne. Bring ich dem Dessert.» Dann sie kommt, dann wir erzählen. Wir reden bis zum Morgen und weinen und lachen.

Aber diese Geschichte passiert nie. Warum? Vielleicht weisst du dem Antwort, liebe Frau Ruth.