Per Autostopp um die Welt (109)
Gross, grösser, Argentinien: «Ich gehe nur 100 Kilometer in diese Richtung»

In Woche 109 auf seiner Reise um die Welt reist Thomas Schlittler mit seiner Freundin von Humahuaca (Argentinien) nach Foz do Iguaçu (Brasilien).

Thomas Schlittler
Drucken
Teilen
Thomas Schlittler Per Autostopp um die Welt Woche 109

Thomas Schlittler Per Autostopp um die Welt Woche 109

Thomas Schlittler
Unser Fahrer Adrian begrüsst uns mit den Worten: 'Ihr könnt mitkommen, aber ich gehe nur 100 Kilometer in diese Richtung.'

Unser Fahrer Adrian begrüsst uns mit den Worten: 'Ihr könnt mitkommen, aber ich gehe nur 100 Kilometer in diese Richtung.'

Thomas Schlittler

Meine Freundin Lea und ich sitzen im Norden Argentiniens neben einer heruntergekommenen Tankstelle. Die gelben Parkfelder werden gerade frisch gestrichen, doch sonst ist alles am Verlottern und Verrosten. Die Luft ist trocken und jeder Lastwagen, der an uns vorbeidonnert, schleudert uns eine dicke Staubwolke ins Gesicht.
Nach einer halben Stunde Dreck fressen hält ein Pickup-Truck. Der Mann am Steuer ist gerade am Handy und ruft uns durchs offene Fenster zu: „Ihr könnt mitkommen, aber ich gehe nur 100 Kilometer in diese Richtung.“ Es klingt, als würde er davon ausgehen, dass wir lieber auf eine andere Mitfahrgelegenheit warten, weil uns 100 Kilometer nichts nützen.

Unsere Woche beginnt in Humahuaca, ganz im Nordwesten Argentiniens. Das Städtchen selbst ist mässig spektakulär. Eine Gebirgskette ganz in der Nähe dafür umso beeindruckender.
39 Bilder
Der Cerro de 14 Colores, auch Serranias del Hornocal genannt, ist ein Wunder der Natur.
An den Farben kann man sich kaum satt sehen. Alles ohne Filter!
Von Humahuaca nach Tilcara_Miriam (z.v.l.) fragt uns, ob es in der Schweiz auch farbige Berge gebe.
Von Tilcara nach Purmamarca: Martin ist pensioniert und hat viel Zeit. Er betätigt sich deshalb spontan als Touri-Guide und führt uns nach Purmamarca
Das Städtchen ist wie Humahuaca bekannt für die farbigen Hügel in der Umgebung.
Beim Cerro von Purmamarca wurden zwar 'nur' sieben Farben gezählt.
Aber wir sind trotzdem begeistert. Eine einmalige Region.
Von Purmamarca nach Jujuy: Ciro ist hauptberuflich Ingenieur, hat aber auch ein Hotel.
Von Jujuy nach Perico_Ruben, Rosana und Ramona (v.r.n.l.) laden uns praktisch mitten in der Stadt auf. Das gibt's selten.
Von Perico nach Güemes: José Maria hat Wurzeln in Syrien. Er hat aber keinen Kontakt mehr mit seinen Verwandten in der alten Heimat.
Von Güemes nach Torzalito: Bei Angel sitzen wir nur wenige Minuten im Auto. Er fährt uns zu einem Kreisel etwas ausserhalb der Stadt, wo schon zwei Venezolaner am Stöppeln sind
Von Torzalito nach Rio Piedras: Wir reihen uns 500m hinter ihnen ein. José hält trotzdem bei uns an. Die Venezolaner wollte er nicht mitnehmen, weil sie ihm zu 'hippiemässig' aussahen.
Von Rio Piedras nach Monte Quemado: David transportiert wie José Coca-Cola-Flaschen. Mit ihm sind wir voll auf der gleichen Wellenlänge - auch musikalisch.
Unser Fahrer Adrian begrüsst uns mit den Worten: 'Ihr könnt mitkommen, aber ich gehe nur 100 Kilometer in diese Richtung.'
Von Pampa de los Guanacos nach Los Frentones: Victor ist ein wortkarger, schüchterner Mechaniker, der während der Fahrt die Musik voll aufdreht.
Von Los Frentones nach Avia Terai: Als wir bei Antonio aussteigen, bedankt er sich bei uns: 'Dank euch ist mir die Fahrt heute viel kürzer vorgekommen.'
Von Avia Terai nach Quitilipi: Maxi hat einen Cousin, der in Lyss lebt. Er heisst Giorgio Carrara und fährt für den Schweizer Rennstall Jenzer Motorsport in der Formula 4.
Maxi lädt uns in seine neue, noch leere Wohnung ein zum Übernachten. Ende Jahr kommt er in die Schweiz, um seinen Cousin zu besuchen. Dann können wir uns hoffentlich für die Gastfreundschaft revanchieren
Von Quitilipi nach Machagai: Wegen der hohen Kriminalität ins Buenos Aires ist Manuel aufs Land gezogen. Doch er findet es hier extrem langweilig.
Von Machagai nach Resistencia: Luis Maria hatte früher eine Schweinefarm. Als bei einer Überschwemmung fast alle Tiere ums Leben kamen, studierte er Jus. Ein beeindruckender Typ!
Von Resistencia nach Corrientes: Fagundo arbeitet als Verkäufer für Pharmakonzerne und macht pro Woche 3000 Autokilometer (siehe Kolumne)
Von Corrientes nach Kreuzung vor Posadas: LKW-Fahrer Pipa ist ein Original. Er hat ein paar Jahre in Spanien gelebt - und würde am liebsten dorthin zurück
Pipa trinkt zwar wie fast alle Argentinier fleissig Mate-Tee, sonst lässt er aber kaum ein gutes Haar an seinem Heimatland. Allerdings weiss man bei Pipa nie so recht, was er ernst meint.
Von Kreuzung vor Posadas nach Posadas: Auf der Ladefläche eines Kleinlastwagens geht's die letzten Kilometer in die Stadt.
Wir lernen unsere Fahrer erst richtig kennen, als wir bei einem Fussballplatz ein paar Wasserflaschen abladen.
Von Posadas nach Santa Ana: LKW-Fahrer Angel Ferreira sagt, dass er gerade 1300km zurückgelegt hat - ohne zu schlafen.
Von Santa Ana nach San Ignacio: Maurizio (rechts) war selbst schon per Anhalter in Südamerika unterwegs und gibt uns Tipps zum Trampen in Argentinien.
Von San Ignacio nach Jardin America_Alberto springt von Thema zu Thema. Er will wissen, was wir von Trump, Hitler und den Terroranschlägen in Europa halten
Von Jardin America nach Capiovi: Erminia und ihre Tochter Alva wirken wie ein eingespieltes, harmonisches Team
Von Capiovi nach Montecarlo: Der Grossvater vom jungen LKW-Fahrer Ernet (rechts) ist von Deutschland nach Argentinien ausgewandert. Ernet spricht aber kein Deutsch.
Von Montecarlo nach Eldorado: Lucia ist mit ihrer zehnjährigen Enkelin unterwegs zu ihrer Mutter, die ihren 86. Geburtstag feiert.
Von Eldorado nach Iguazu: Zuerst meinen wir, dass LKW-Fahrer Vendelir einen Sprachfehler hat. Dann merken wir_Er ist Brasilianer und spricht Portugiesisch. Das kann ja heiter werden.
Vendelir bringt uns nach Puerto Iguazu, wo wir die weltbekannten Wasserfälle besuchen. Zuerst besuchen wir die argentinische Seite
Dort ist man sehr nahe dran, wenn die Wassermassen in die Tiefe stürzen.
Auf der brasilianischen Seite, die wir tags darauf besuchen, hat man dafür das bessere Panorama.
Wir können uns nicht entscheiden, welche Seite besser ist.
Beide Seiten sind unglaublich schön und wir sind froh, dass wir den Umweg auf uns genommen haben, um die Wasserfälle zu besuchen.
Sie sind eines der absoluten Highlights meiner Weltreise - und auch mit den Besuchermassen ist es nicht so schlimm, wie wir erwartet hatten.

Unsere Woche beginnt in Humahuaca, ganz im Nordwesten Argentiniens. Das Städtchen selbst ist mässig spektakulär. Eine Gebirgskette ganz in der Nähe dafür umso beeindruckender.

Thomas Schlittler
Die Ruta Nacional 16 in Argentinien ist 707 Kilometer lang - und hat kaum eine Kurve

Die Ruta Nacional 16 in Argentinien ist 707 Kilometer lang - und hat kaum eine Kurve

Wikipedia

Aktuelle Nachrichten