Grenze überschritten

Gemäss einer von der «SonntagsZeitung» publizierten Schätzung des Nachrichtendienstes soll jeder vierte russische Diplomat in der Schweiz als Agent tätig sein.

Dominik Weingartner
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Dominik Weingartner.

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Russische Spione in der Schweiz in Aktion: Diese Nachricht sorgt in diesen Tagen für Aufsehen. Es geht um eine geplante Spionageaktion gegen das Labor Spiez. Jenes Labor des Bundes im Berner Oberland, das an der Untersuchung des Giftangriffs auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal im englischen Salisbury vom März involviert sein soll. Treffen die Recherchen der «Sonntagszeitung» zu, hat die Spionagetätigkeit ausländischer Dienste in der Schweiz eine neue Dimension erreicht. Ein solcher Angriff richtet sich direkt gegen eine Institution des Bundes.

Dass ausländische Spione in der Schweiz aktiv sind, ist hingegen nichts Neues. Das Land ist traditionell eine Drehscheibe für Geheimagenten aus aller Welt. Hier treffen sich Auftraggeber und -nehmer gerne zu sogenannten Drittlandtreffen. Insbesondere Genf mit seinen unzähligen internationalen Organisationen und dem kosmopolitischen Flair ist besonders beliebt. Die Stadt ist zentral in Europa gelegen, verfügt über eine gute Infrastruktur und internationale Agenten fallen hier nicht gross auf.

Wenn russische Agenten nun in viel zu offensichtlicher Art und Weise Schweizer Ziele ins Visier nehmen, ist es richtig, dagegen zu protestieren und den russischen Botschafter einzubestellen. Eine solche Grenzüberschreitung muss öffentlich angemahnt werden. Nur: Es gehört zum Wesen der Spionage, sich illegaler Mittel zu bedienen. Das gilt nicht nur für die Russen, sondern auch für die Amerikaner und sogar für die Schweizer, wie der Fall des Bankenspions Daniel M. zeigte. Viel wichtiger ist, dass geheimdienstliche Tätigkeiten gegen die Schweiz mit geheimdienstlichen Mitteln bekämpft werden. Anders geht es nicht.